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Full text of "Der Stern"

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NOVEMBER 199 






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AUF DEM UMSCHLAG: 

Vorn: In dem Artikel "Eine gute Ehe scharfen" (Seite 26) vermit- 
teln Heilige der Letzten Tage wertvolle Einsichten dazu, wie sie 
die Grundsätze des Evangeliums in die Tat umsetzen, um ihre 
Ehe zu festigen und zu bewahren. (Foto von Brian K. Kelly, 
Craig Dimond und Maren Mecham.) 

UMSCHLAGBILD KINDERSTERN: 

Was ist mit deiner Hand geschehen? Gemälde von Harry 
Anderson/© Review and Herald Publishing Association. 



MAGAZIN 



BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT: INSPIRIERENDE GEDANKEN 

GORDON B. HINCKLEY 

"DU SOLLST NICHT FALSCH GEGEN DEINEN NÄCHSTEN AUSSAGEN" 

ROBERT J. MATTHEWS 



25 BESUCHSLEHRBOTSCHAFT: "DAMIT ICH EUCH HEILE" 

26 EINE GUTE EHE SCHAFFEN 

32 JEDER KANN ETWAS BEWIRKEN: PAUL COX— DIE SCHÖPFUNG GOTTES 
BEWAHREN ANNE BILLINGS 



FÜR JUNGE LEUTE 



VOM GEIST GEFUHRT RONAL NAVARRO GUTIERREZ 
STADT DES LICHTS RICHARD M. ROMNEY 



22 DAS HUNDERTSTE SCHAF JAMES EDWARD PEDERSEN 

38 ICH HABE EINE FRAGE: WIE KANN ICH DEN NEGATIVEN EINFLÜSSEN IM 
LEBEN ENTGEGENWIRKEN? 

42 DEN HERRN AN DIE ERSTE STELLE SETZEN LINDA VAN ORDEN 

46 ES KOMMT AUF EUCH AN JOSEPH B. WIRTHLIN 



KINDERSTERN 



FEUER AUF DER PRÄRIE REBECCA TODD 

EIN DANKBARES HERZ JAMES E. FAUST 

DAS MITEINANDER: DANK SAGEN SYDNEY REYNOLDS 

FÜR UNSERE KLEINEN FREUNDE: ROBERTO FÄLLT NOCH ETWAS EIN 

MATTHEW UND DANIELLE KENNINGTON 



1 MOSE UNTERWEIST SEIN VOLK VIVIAN PAULSEN 

1 2 VERSUCHEN, WIE JESUS ZU SEIN: EIN BEISPIEL GEBEN NATALIE RUSSI SILVA 

1 4 WAS ERWARTET JESUS CHRISTUS VON MIR? DJ. UND LINDA SHERWOOD 




ßlEHE SEITE 46 



SIEHE SEITE 32 




SIEHE SEITE 42 



SIEHE SEITE 10 




November 1998 124. Jahrgang Nummer 1 1 

DER STERN 98991 150 

Offizielle deutschsprachige Veröffentlichung der Kirche 

Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Die Erste Präsidentschaft: 

Gordon B. Hinckley, Thomas S. Monson, James E. Faust 

Das Kollegium der Zwölf: 

Boyd K. Packer, L. Tom Perry, David B. Haight, 

Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson, Dallin H. Oaks, 

M. Russell Ballard, Joseph B. Wirthlin, Richard G. Scott, 

Robert D. Haies, Jeffrey R. Holland, Henry B. Eyring 

Chefredakteur: Marlin K. Jensen 

Redaktionsleitung: Jay E. Jensen, John M. Madsen 

Abteilung Lehrplan: 

Geschäftsführender Direktor: Ronald L. Knighton 

Direktor Planung und Redaktion: Richard M. Romney 

Direktor Künstlerische Gestaltung: Allan R. Loyborg 

Redaktion: 

Geschäftsführender Redakteur: Marvin K. Gardner 

Assist. Geschäftsführender Redakteur: R. Val Johnson 

Co-Redakteure: David Mitchell 

Redaktionsassistentin: Jenifer Greenwood 

Terminplanung: Beth Dayley 

Assistentin Veröffentlichungen: Konnie Shakespear 

Gestaltung: 

Manager Graphische Gestaltung: M. M. Kawasaki 

Direktor Künsterische Gestaltung: Scott Van Kampen 

Layout: Sharri Cook 

Designer: Tadd R. Peterson 

Manager Produktion: Jane Ann Peters 

Produktion: Reginald J. Christensen, Denise Kirby, 

Jason L. Mumford 

Digitale Prepress: Jeff Martin 

Abonnements: 

Direktor: Kay W. Briggs 

Manager Versand: Kris Christensen 

Manager: Joyce Hansen 

Verantwortlich für Übersetzung: 

Deutsches Übersetzungsbüro 

Max-Planck- Straße 23 A, D-61381 Friedrichsdorf 

Telefon: (06172) 736410 und 73641 1 

Vertrieb: 

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Industriestraße 21 , D-61381 Friedrichsdorf 

Deutschland-Leserservice 

Telefon: (06172) 7103-23; Telefax: (06172) 7103-44 

Osterreich und Schweiz-Leserservice 

Telefon: (06172) 7103-96; Telefax: (06172) 7103-80 

Jahresabonnement: 

DEM 21,00; ATS 147,00; CHF 21,00 

Bezahlung erfolgt an die Gemeinde bzw. den Zweig 

oder auf eines der folgenden Konten: 

D Commerzbank Frankfurt, 

Konto-Nr. 588645200, BLZ 500 400 00 

A Erste Österreichische Spar-Casse-Bank 

Konto-Nr. 004-52602 

CH Schweizerischer Bankverein, Birsfelden, 

Konto-Nr. 30-301,363.0 

Adressenänderung bitte einen Monat im voraus melden 

Beilagenhinweis: Dieser Ausgabe liegt der „KINDER- 
STERN November 1998" bei. 

Manuskripte und Anfragen: International Magazines, 
50 East North Temple, Floor 25, Salt Lake City, UT 
84150-3223, USA; or e-mail to CUR-Liahona- 
IMag@ldschurch.org 

Die Internationale Zeitschrift der Kirche, deutsch „DER 
STERN", erscheint monatlich auf chinesisch, dänisch, 
deutsch, englisch, finnisch, französisch, holländisch, itali- 
enisch, japanisch, koreanisch, norwegisch, portugiesisch, 
samoanisch, schwedisch, spanisch und tongaisch; zwei- 
monatlich wird sie auf indonesisch und thai veröffentlicht, 
vierteljährlich auf bulgarisch, cebuano, fidschi, gilberte- 
sisch, isländisch, polnisch, rumänisch, russisch, tagalog, 
tschechisch, ukrainisch, ungarisch und vietnamesisch. 
(New quarterly magazines may begin with one, two, or 
three issues a year.) 

© 1998 by Intellectual Reserve, Inc. All rights reserved. 
Printed in the United States of America. 

For Readers in the United States and Canada: 

November 1998 vol. 124 no. 1 1 . DER STERN (ISSN 
1 044-338X) is published monthly by The Church of Jesus 
Christ of Latter-day Saints, 50 East North Temple, Salt 
Lake City, UT 84150. USA subscription price is $10.00 
per year; Canada, $14.00. Periodicals Postage Paid at 
Salt Lake City, Utah. Sixty days' notice required for 
change of address. Include address label from a recent 
issue; changes cannot be made unless both old and new 
address are included. Send USA and Canadian subscrip- 
tions and queries to Salt Lake Distribution Center, Church 
Magazines, PO Box 26368, Salt Lake City, UT 84126- 
0368. Subscription help line: 1-800-537-5971. Credit 
Card Orders (Visa, MasterCard, American Express) may be 
taken by phone. 

POSTMASTER: Send address changes to Salt Lake 
Distribution Center, Church Magazines, PO Box 26368, 
Salt Lake City, UT 84126-0368. 



LESERBRIEFE 



ELHOMBRE S 

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EINE NEUE PERSPEKTIVE 

Nachdem ich in der Februarausgabe 
1998 des Liahona (spanisch) den Artikel 
„Keine anderen Götter vor mir" gelesen 
habe, möchte ich Bruder S. Michael 
Wilcox dafür danken. Ich habe dadurch 
erkannt, daß Gegensätze uns nicht nur 
helfen können, zu lernen, uns für das 
Richtige zu entscheiden, sondern daß sie 
auch eine großartige Möglichkeit sind, 
göttliche Eigenschaften zu entwickeln. Ich 
bin auch dankbar für den interessanten 
und gut geschriebenen Artikel „Der 
Mensch Adam" von Robert L. Millet in 
derselben Ausgabe. Ich habe beim Lesen 
beider Artikel den Geist gespürt. 

Eider Navarro, 
Honduras-Mission Comayaguela 

VON VORN BIS HINTEN DURCHGELESEN 

Ich lese den Liahona (englisch) immer 
von vorn bis hinten durch - sogar den 
Kinderstern. Ich bin von den wunder- 
vollen Heiligen in den verschiedenen 
Teilen der Erde, von denen ich in der 
Zeitschrift lese, beeindruckt. Die Artikel 
für die Jugendlichen, aber auch die Artikel 
von unserem lebenden Propheten begei- 
stern mich immer. Ich habe gelernt, die 
Grundsätze, die ich lese, auf mein Leben 
zu beziehen. 

Violeta de Tomas Cereno, 

Gemeinde Mapandan, 

Pfahl San Fabian, Philippinen 



SPRACHKENNTNISSE BEWAHREN 

Ich abonniere den O Le Liahona 
(samoanisch) seit 25 Jahren immer wieder, 
um mir die Sprachkenntnisse, die ich auf 
Mission erworben habe, zu bewahren. Da 
die Kirche dringend Missionarsehepaare 
braucht, glaube ich, daß wir Mitglieder 
Fremdsprachen lernen und uns diese 
Kenntnisse bewahren sollten. Eine 
großartige Möglichkeit dazu besteht darin, 
daß wir den Stern in einer Fremdsprache 
abonnieren und lesen. Viele Menschen 
wissen vielleicht gar nicht, daß sie den Stern 
in jeder fremdsprachigen Ausgabe beziehen 
können, wo sie auch wohnen. 

Unser Zweigpräsident hier in Uppsala 
hat uns erklärt, daß wir mehr Abonnements 
für den Nordstjäman (schwedisch) bestellen 
müssen, damit er weiterhin monatlich 
erscheint. Er hat gesagt: „Wir müssen die 
Worte des Propheten hören, deshalb 
wünschen wir uns, daß jeder überlegt, ob er 
ein Geschenkabonnement bestellen 
könnte." Das ist mir so zu Herzen gegangen, 
daß ich ihm sofort das Geld für ein 
Geschenkabonnement gegeben habe, 
ebenso wie viele andere Mitglieder in 
unserem Zweig und Pfahl auch. 

Paul Cox, 

Zweig Uppsala, 

Pfahl Stockholm, Schweden 



Paul Cox 

Die Schöpfung Gottes 
bewahren 







Anmerkung der Herausgeber: Weitere 
Informationen zu Paul Cox und seiner Arbeit 
in Samoa, Schweden und anderen Teilen der 
Welt siehe den Artikel „Paul Cox - Die 
Schöpfung Gottes bewahren" auf Seite 32 
dieser Ausgabe. 



NOVEMBER 
1 



19 9 8 



BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT 



Inspirierende 
Gedanken 



Präsident Gordon B. Hinckley 



ZEUGNIS 



„Es ist ein großer Segen, daß wir an diesem herrlichen Evangelium Jesu 
Christi, am Plan der ewigen Errettung, an diesem Programm, das Aktivität 
und Wachstum und einen tieferen Einblick in die ewigen Belange unseres 
Vaters, der unser aller Vater ist, vermittelt, teilhaben können. Wir sind so 
reich gesegnet. Wie dankbar wir doch sein sollten. Ich weiß, so wie ich von 
diesen Dingen Zeugnis geben kann, könnt auch ihr davon Zeugnis geben, da 
ihr das gleiche Anrecht darauf habt wie ich, im Herzen ein Zeugnis davon zu 
haben, daß dieses Werk von Gott ist. Und so gewiß, wie ich dieses Zeugnis 
habe, könnt auch ihr dieses Zeugnis haben, falls ihr es nicht schon habt. 
Wenn ihr das Wort des Herrn lest, wenn ihr über das Wort des Herrn nach- 
sinnt, wenn ihr über das Wort des Herrn betet, wenn ihr im Werk des Herrn 
dient, dann wird in eurem Herzen die sichere und feste Überzeugung 
wachsen, daß dieses, sein Werk, wahr ist." 1 




„Wenn ihr das Wort des 
Herrn lest, wenn ihr über 
das Wort des Herrn nach- 
sinnt, wenn ihr über das 
Wort des Herrn betet, wenn 

ihr im Werk des Herrn 

dient, dann wird in eurem 

Herzen die sichere und 

feste Überzeugung 
wachsen, daß dieses, 
sein Werk, wahr ist." 



TREUE GEGENÜBER DER KIRCHE 



„Seid der Kirche treu. Setzt euch unerschrocken für sie ein. Verteidigt sie. 
Redet nicht schlecht über sie. Dies ist das Werk des Herrn. Wer die Kirche 

NOVEMBER 1998 
3 



verspottet oder schlecht macht, 
beleidigt den, dessen Kirche dies ist. 
Sie trägt den heiligen Namen des 
Herrn Jesus Christus. 

Sie ist für jeden von euch wie eine 
wundervolle Mutter, in deren 
Armen ihr Zuflucht, Wärme, Trost 
und Geborgenheit findet. 

Wer steht zum Herren, wer? 
Jetzt heißts, entschieden sein; 
wir fragen ohne Furcht: 
Wer steht zum Herren, wer? 
(„Wer steht zum Herren, wer?", 
Gesangbuch (alt), 208.) 

Ihr könnt dieser großen Sache 
nicht gleichgültig gegenüberstehen. 
Ihr habt sie angenommen. Ihr seid 
heilige Bündnisse eingegangen. 
Unabhängig von dem, was ihr mit 
dem Wissen, das ihr euch durch eure 
weltlichen Studien aneignet, aus 
eurer Zukunft macht, könnt ihr euch 
der Verpflichtung, die dem Bund 
entspringt, den ihr mit der Taufe 
eingegangen seid und den ihr 
jedesmal, wenn ihr das Abendmahl 
nehmt, erneuert, nicht entziehen." 2 

DIE MACHT DES MELCHISEDEKISCHEN 
PRIESTERTUMS 

„Es ist keine Kleinigkeit, das 
Melchisedekische Priestertum zu 
erhalten, das dem Propheten Joseph 
Smith und Oliver Cowdery von 
Petrus, Jakobus und Johannes über- 
tragen wurde. Dies ist das 
Priestertum, kraft dessen die Kirche 
regiert wird. Dies ist das Priestertum, 
kraft dessen ihr im Namen des Herrn 
den Kranken dient. Dies ist das 



Priestertum, kraft dessen ihr Segen 
spendet. Dies ist das Priestertum, 
kraft dessen ihr im Namen des Herrn 
sprecht. Nehmt es nicht auf die 
leichte Schulter. Nehmt es niemals 
auf die leichte Schulter. Hütet es 
immer. Lebt so, daß ihr seiner in jeder 
Hinsicht würdig seid." 3 

DIE BEZIEHUNGEN IN DER FAMILIE 

„Nach dem Plan des Himmels 
gehen Mann und Frau als Partner 
Seite an Seite, keiner von beiden vor 
dem anderen, sondern als Tochter 
Gottes und Sohn Gottes, die Seite an 
Seite gehen. Eure Familie sei von 
Liebe und Frieden und Glück erfüllt. 
Schart eure Kinder um euch und 
haltet den Familienabend, lehrt eure 
Kinder die Wege des Herrn, lest ihnen 
aus den heiligen Schriften vor und 
laßt sie die erhabenen Wahrheiten des 
ewigen Evangeliums, wie sie in diesen 
Worten des Allmächtigen enthalten 
sind, kennenlernen." 4 

VERTRAUEN ZU DEN JUGENDLICHEN 

„Ihr seid wundervoll. Ich halte 
euch für die beste Generation, die 
wir in dieser Kirche je hatten. Wir 
hatten noch nie eine so gute 
Generation wie euch. Ich habe 
großes Vertrauen zu euch. Ich 
glaube, ihr könnt alles schaffen, was 
ihr euch vornehmt. Das glaube ich 
von ganzem Herzen. Und ihr könnt 
alles leisten, was ihr euch vornehmt. 
Es liegt da draußen eine großartige 
und schwierige Welt vor euch. Sie ist 
voller Fallen aller Art, die euch 
hinabziehen. Aber wenn ihr den 
Blick auf das Evangelium gerichtet 



haltet, dann zieht es euch nicht 
hinab, und ihr werdet es schaffen - 
mit einem Lächeln und auf eine 
wundervolle Weise." 5 

TUGEND 

„Für die Tugend gibt es keinen 
Ersatz. Bleibt in euren Gedanken 
tugendhaft. Erhebt euch über den 
Schmutz, der in der Welt überall um 
euch herum zu finden ist, und bleibt 
stark und tugendhaft. Ihr könnt es 
schaffen, und ihr werdet dadurch 
euer Leben lang um so glücklicher 
sein. Gott segne euch, daß ihr diese 
große Gabe und Eigenschaft, die 
Tugend, wertschätzt und entwickelt 
und daran festhaltet." 6 

REDLICHKEIT 

„Ich fordere euch, meine lieben 
Freunde, auf, setzt euch in der Welt, 
wo Schmutz, Unmoral, Pornographie 
und ihre ganze böse Brut wie eine Flut 
über uns hereinbrechen, für sittliche 
Grundsätze ein. Keiner von uns kann 
es sich leisten, sich an solchem 
Schund zu beteiligen. Keiner von uns, 
weder ich noch einer von euch, darf 
mit so etwas wie unmoralischen 
Videos, anstößigen Fernsehpro- 
grammen, unsittlichen Kinofilmen, 
Sex-Zeitschriften, sogenannten Sex- 
Telefonnummern oder dem Schmutz 
zu tun haben, den man offensichtlich 
im Internet finden kann. Meidet all 
das wie die Pest, denn es ist eine 
ernste und tödliche Krankheit. 

Unterstützt den Kampf gegen ille- 
gale Drogen. Der Drogenmißbrauch 
hat sich in den letzten vier Jahren vor 
allem unter den Jugendlichen 



DER 



STERN 

4 





FOTOS VON BRIAN K. KELLY 



verdoppelt. Wohin gehen wir? 
Menschen gehen zugrunde, die 
berufliche Laufbahn wird vernichtet, 
ja, sogar die nächste Generation 
erleidet Schaden, der in vielen Fällen 
nicht wiedergutzumachen ist, wenn 
junge Menschen Drogen nehmen 
und abhängig werden. 

Ihr könnt euch engagieren und 
verhindern, daß ein Junge oder ein 
Mädchen eine törichte Entscheidung 
treffen. Euer Interesse, eure Anteil- 
nahme und eure Stimme können 
buchstäblich über Leben und Tod 
entscheiden. 

Setzt euch in eurem Geschäft, in 
eurem Beruf, in eurer Familie, in der 
Gesellschaft, in der ihr lebt, für 
Redlichkeit ein. 

Ich sage es noch einmal, es reicht 
nicht aus, daß ihr euch in eure 
private Zufluchtstätte zurückzieht 



„Schart eure Kinder um euch und haltet den Familienabend, lehrt 
eure Kinder die Wege des Herrn, lest ihnen aus den heiligen 
Schriften vor und laßt sie die erhabenen 
Wahrheiten des ewigen Evangeliums, wie sie in 
diesen Worten des Allmächtigen enthalten 
sind, kennenlernen.' 





FOTO VON JERRY GARNS 



„Ihr [Missionare] bietet ihnen ein besseres Leben mit ihrer Familie an. 
... Ihr bietet jedem Mann und jeder Frau, die würdig leben, so daß sie 
das Haus des Herrn betreten können, den großen Segen des Hauses 
des Herrn an." 



und nur euren privaten Interessen 
nachgeht. Eure starke Stimme wird 
gebraucht. Wenn ihr euch nachdrück- 
lich einsetzt, könnt ihr mit dafür 
sorgen, daß sich die Waagschale 
zugunsten der Wahrheit senkt." 7 

JOSEPH SMITH 

„Mit 12 Jahren wußte ich noch 
nicht viel über Joseph Smith, aber ich 
hatte ein Gefühl im Herzen. Seitdem 
habe ich Joseph Smith kennengelernt. 
Ich habe von seinen Erlebnissen 
gelesen. Ich habe sein Zeugnis 
gelesen. Ich habe das Buch Mormon 
gelesen. Ich habe die Organisation 
dieser wundervollen Kirche gesehen. 



Ich habe die Macht des Priestertums 
gesehen. Und ich glaube, ich kenne 
Joseph Smith. ,Glorreicher Mann, 
dem die Priestertumsweihen wieder 
als erstem hier wurden zuteil' („Preiset 
den Mann", Gesangbuch, Nr. 17). Er 
ist in der Wiederherstellung des 
Evangeliums in dieser Evangeliums- 
zeit der Fülle der Prophet Gottes. 
Wenn wir das in unser Herz 
eindringen lassen, erkennen wir, daß 
dies wahrhaftig das Werk Gottes ist." 8 

MISSIONSDIENST 

„Ich hoffe, daß jeder junge Mann 
den Wunsch im Herzen hat, hinaus- 
zugehen und die Menschen in der 



Welt das Evangelium zu lehren, 
wohin er auch berufen wird, daß er 
sich jetzt darauf vorbereitet, daß er 
Geld spart und die Grundsätze des 
Evangeliums lernt, die er ja kennen 
muß, ehe er sie anderen mitteilen 
kann. Wenn jemand irgendwie daran 
zweifelt, daß dieses Werk von Gott 
ist, braucht er sich nur das Wunder 
anzusehen, das da geschieht." 9 

WAS DIE MISSIONARE 
ANZUBIETEN HABEN 

„Ihr . . . bietet ihnen ein besseres 
Leben mit ihrer Familie an. Jedem 
verheirateten Mann [bietet ihr] die 
Erkenntnis an, daß sein größter 
Schatz die Frau ist, mit der er verhei- 
ratet ist, und jeder [verheirateten] 
Frau die Erkenntnis, [was] sie ihrem 
geliebten Mann geben kann und daß 
sie beide ihre Kinder lieben und 



DER STERN 
6 



hegen und pflegen und sie auf die 
Weise des Herrn erziehen sollen. Die 
ganze Einstellung dieses Landes 
würde sich ändern, wenn es in den 
Familien mehr Achtung und Liebe 
gäbe, und das bietet ihr ihnen an. Ihr 
bietet jedem Mann und jeder Frau, 
die würdig leben, so daß sie das Haus 
des Herrn betreten können, den 
großen Segen des Hauses des Herrn 
an, nämlich daß sie im Tempel 
heiraten und einen Bund schließen 
können, den die Zeit nicht zerbre- 
chen und der Tod nicht auflösen 
kann. Das Leben ist ewig, und das 
ist der große Segen, den ihr anzu- 
bieten habt." 10 

GEBT DEN NEUEN MITGLIEDERN 
VERANTWORTUNG 

„Jedes neue Mitglied, das in diese 
Kirche kommt, sollte sofort Verant- 
wortung übertragen bekommen. Sie 
mag gering sein, aber sie wird sich 
nachhaltig auswirken. . . . Ich kann 
nicht verstehen, daß die neuen 
Mitglieder, wenn sie in die Kirche 
kommen, nicht sofort Verant- 
wortung übertragen bekommen. Die 
Tendenz geht dahin, daß gesagt 
wird: ,Sie wissen nicht genug.' Geht 
das Risiko doch ein. Denkt daran, 
welches Risiko der Herr mit euch 
eingegangen ist. Gebt ihnen etwas 
zu tun, so geringfügig es auch sein 
mag, etwas Konkretes, woran sie 
wachsen können. Ein Zeugnis ist wie 
ein Arm: wenn man ihn gebraucht, 
wird er stark. Legt man ihn in eine 
Schlinge, verkümmern die Muskeln, 
und er wird schwach und nutzlos. 
Man fördert die Menschen in dieser 



Kirche nur, indem man ihnen 
Verantwortung überträgt." 11 

DIE FINANZEN DER KIRCHE 

„Die Kirche ist in finanzieller 
Hinsicht in guter Verfassung. Ich 
möchte euch das versichern. . . . Ich 
könnte fast weinen; so ist mir 
manchmal zumute, wenn ich sehe, 
mit welchem Glauben unsere 
Mitglieder den Zehnten und die 
sonstigen Spenden zahlen. . . . Die 
Gelder dieser Kirche sind heilig und 
müssen gehütet werden, da sie 
sowohl das Opfer der Witwe als 
auch die Gabe des Reichen 
darstellen. Wir sind bemüht, 
umsichtig und weise und vernünftig 
und bedacht und hoffentlich auch 
inspiriert zu sein. Aber es ist nur 
möglich, weil die Mitglieder so 
gläubig den Zehnten und die 
sonstigen Spenden zahlen." 12 

SABBATHEILIGUNG 

„Es ist nicht nötig, daß man am 
Sonntag einkauft und dadurch den 
Sonntag entweiht. Dann ist nicht die 
Zeit, Lebensmittel zu kaufen. . . . Man 
verliert gar nichts, wenn man an 
anderen Tagen einkaufen geht und 
nicht am Sonntag. Dieser Tag soll 
dem Nachsinnen, dem Lesen in den 
heiligen Schriften, den Gesprächen 
mit der Familie und der 
Beschäftigung mit den Belangen 
Gottes geweiht sein. Dann wird man 
gesegnet." 13 D 

FUSSNOTEN 

1. Fireside anläßlich der erneuten 
Weihung des Gemeindehauses Hyde Park, 
London, England, 27. August 1995. 



2. Andacht an der Brigham Young 
University, Provo, Utah, 17. September 
1996. 

3. Konferenz des Pfahls Salt Lake 
Sugar House, 5. Januar 1997. 

4. Fireside, Buenos Aires, Argentinien, 
12. November 1996. 

5. Versammlung für Jugendliche, 
Washington, D.C., 1. Dezember 1996. 

6. Missionsversammlung, Salt Lake 
City, Utah, 18. Dezember 1995. 

7. Andacht an der BYU, Provo, Utah, 
17. September 1996. 

8. Fireside, Lima, Peru, 9. November 
1996. 

9. Abendmahlsversammlung, Zweig 
Promontory, Pfahl Tremonton Utah 
South, 15. Oktober 1995. 

10. Missionarsversammlung, San 
Salvador, El Salvador, 23. Januar 1997. 

11. Regionskonferenz für verheiratete 
BYU-Studenten, 

Priestertumsführerschaftsversammlung, 
Provo, Utah, 10. Februar 1996. 

12. Regionskonferenz, 
Priestertumsführerschaftsversammlung, 
Charlotte, North Carolina, 24. Februar 
1996. 

13. Regionskonferenz, South Jordan, 
Utah, 2. März 1997. 

FÜR DIE HEIMLEHRER 

1. Über das, was seine Diener 
äußern, hat der Herr gesagt: „Und 
was sie, bewegt vom Heiligen Geist, 
reden werden, soll heilige Schrift sein, 
soll der Wille des Herrn sein, soll das 
Wort des Herrn sein, soll die Stimme 
des Herrn und die Kraft Gottes zur 
Errettung sein." (LuB 68:4.) 

2. Wählen Sie gebeterfüllt aus 
diesen Zitaten solche aus, die die 
einzelnen Mitglieder und Familien, bei 
denen Sie Heimlehrer sind, stärken 
und ihnen zum Segen gereichen. 



NOVEMBER 

7 



19 9 8 



Als ich in der Peru-Mission Chiclayo ankam, 
wünschte ich mir nichts anderes, als gehorsam zu 
sein und mit großem Eifer zu arbeiten und 
Menschen zu finden, die das Evangelium annehmen 
wollten. Jeden Morgen knieten mein Mitarbeiter und ich 
nieder und beteten um Hilfe, damit wir Menschen finden 
konnten, die nach dem Erretter suchten. Häufig wurde 
unser Beten erhört. 

Als ich etwa 18 Monate auf Mission war, kam ich in die 
Gemeinde Los Proceres im Pfahl Chiclayo Peru El Dorado. 
Mein Mitarbeiter und ich begannen genauso zu arbeiten, 
wie er und sein früherer Mitarbeiter es getan hatten. Als 
wir eines Morgens mit der Arbeit beginnen wollten, 
stellten wir fest, daß wir keine Termine hatten, deshalb 
beschlossen wir, Mitglieder um Empfehlungen zu bitten. 

Auf dem Weg zum Haus eines Mitglieds kamen wir an 
einer bestimmten Straße vorbei, und ich hatte ein ganz 
besonderes Gefühl. Mir wurde klar, daß der Herr wollte, 



daß wir bei den Häusern in dieser Straße an die Tür 
klopften. Ich erklärte meinem Mitarbeiter, was für ein 
Gefühl ich hatte, und schlug vor, dort von Tür zu Tür zu 
gehen. Er erklärte sich einverstanden. 

Wir klopften an die ersten drei Türen in der Straße - 
und wurden an allen drei abgewiesen. Das entmutigte 
meinen Mitarbeiter so sehr, daß er zu unserem ursprüng- 
lichen Plan, Mitglieder um Empfehlungen zu bitten, 
zurückkehren wollte. Da ich sah, wie ihm zumute war, 
erklärte ich mich einverstanden, aber ich konnte das 
Gefühl, das ich hatte, nicht leugnen. 

Später in dem Monat wurde mein Mitarbeiter 
versetzt, und mein neuer Mitarbeiter war Eider Meyhuay. 
Ich half ihm am ersten Abend, sich ein bißchen einzu- 
leben, aber am nächsten Tag nahm ich ihn als erstes zu 
der Straße mit, wo ich jenes Gefühl gehabt hatte. Ich 
erzählte ihm davon, und er erklärte sich bereit, mit mir 
an jede Tür in der Straße zu klopfen. 



Vom Geist geführt 

Ronal Navarro Gutierrez .*>**. V — ' 



Ronal Navarro Gutierrez 

ILLUSTRATION VON MARK R. OM.ER" 











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Und so begannen wir. Wie beim ersten Mal wiesen die 
Menschen in den ersten paar Häusern uns ab. Aber wir 
waren fest entschlossen, bis ans Ende auszuharren. Dann 
kamen wir zum Haus der Familie Quesada Zerita. Die 
Frau, die an die Tür kam, bat uns herein, und wir 
nahmen mit ihr die erste Missionarslektion durch. Sie 
war davon zutiefst berührt. Zwei Tage später kamen wir 
zurück, um mit ihrem Mann zu sprechen. Auch er war 
bereit, uns zuzuhören, und wir nahmen eine weitere 
Lektion durch. Diesmal war die ganze Familie da. 

So begann ein wundervolles Erlebnis. Die Zeit 
verging, und viele der Familien in der Straße wollten die 
Lektionen anhören. Um zu allen sprechen zu können, 
mußten wir draußen Bänke aufstellen und unsere 
Stehbildfilme draußen auf der Straße zeigen. Wenn wir 
zu den vielen Menschen sprachen, die zusammenge- 
kommen waren, um unsere Botschaft zu hören, fühlten 
wir uns wie die Apostel in alter Zeit. All das bereitete uns 
große Freude. 

Es war begeisternd, zur Kirche zu gehen; wir mußten 
vier, fünf Taxen anhalten, um alle Menschen zum 
Gemeindehaus zu bringen, und die Menschen aus dieser 



Straße füllten vier Bänke im Gemeindehaus. In den drei 
Monaten, die mein Mitarbeiter und ich zusammen 
waren, tauften wir ungefähr 50 Menschen. Ihre Namen 
stehen in meinem Tagebuch und in meinem Herzen 
geschrieben. 

Ich habe inzwischen erfahren, daß die Straße, die wir 
damals „Mormonenstraße" nannten, jetzt Teil einer 
neuen Einheit der Kirche ist. Die Familien, die wir 
getauft haben, sind immer noch in der Kirche aktiv, und 
das erfüllt mich mit besonderer Freude. 

Jetzt, da ich meine Mission beendet habe und nach 
Ica in Peru zurückgekehrt bin, stehe ich immer noch vor 
manchen Herausforderungen. Aber die Erfahrungen 
meiner Mission haben mich stark gemacht. Ich habe auf 
Mission gelernt, auf den Herrn zu hören. Ich habe die 
Erfahrung gemacht, daß ich mich wie Nephi, wenn ich 
mich bemühe, den Willen des Herrn zu tun, vom Geist 
führen lassen kann, auch wenn ich nicht im voraus weiß, 
was ich tun soll (siehe 1 Nephi 4:6). D 








Richard M. Romney 

FOTOS VOM AUTOR 

In Paris geben die Jugendlichen der 
Kirche einem alten Spitznamen eine 
neue Bedeutung. 

Ticht nur Menschen haben Spitznamen. Auch 
viele Städte haben einen Spitznamen. 
Chicago wird beispielsweise als windige Stadt 
bezeichnet, New York wird häufig Big Apple genannt, 
und manche Menschen nennen Rom die ewige Stadt. 
Paris hat den Spitznamen „Stadt des Lichts". Eine 
Legende besagt, daß in Paris früher um die 
Befestigungsanlagen herum und an den Straßen, die 
zu den Haupttoren führten, Fackeln aufgestellt 
wurden. Diese Begrüßungsfeuer vertrieben die 
Finsternis und zeigten den Reisenden, daß sie in 
Sicherheit waren. Im Lauf der Jahrhunderte bezeich' 
nete der Name Stadt des Lichts dann auch die Rolle 
von Paris als Zentrum von Kultur und Bildung. Heute 
sagen manche, der Spitzname beziehe sich auf die 
Flutlichter, die die prächtigen Paläste und Denkmäler 
der Stadt des Nachts anstrahlen. 



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Seit Jahrhunderten ist Paris für Menschen, denen 
Bildung und Kultur am Herzen liegen, wie ein 
Leuchtfeuer. Für die jungen Heiligen der Letzten Tage, 
die hier leben, wie Peter Caplain, Francine Petelo und 
Loic Gomes ist Paris auch ein Ort, an dem sie das Licht 
der Evangeliumswahrheit finden. Hintergrund: Der Are 
de Triomphe, ein berühmtes Wahrzeichen von Paris am 
westlichen Ende der weltbekannte Champ - Elysees. 






EINE WEITERE BEDEUTUNG 

Die Jugendlichen der Kirche, die in Paris leben, 
verleihen dem Namen eine weitere Bedeutung. Sie 
lernen die Wahrheit und leben danach und etablieren 
so in der Stadt des Lichts ihr eigenes Leuchtfeuer, ein 
leuchtendes Beispiel, das die Menschen, die im 
Herzen ehrlich sind, sehen und dem sie nacheifern 
können. Dieses Licht ist das Hauptgesprächsthema, 
als eine kleine Gruppe von Jungen, ein Mädchen und 
ein paar erwachsene Führer aus dem Pfahl Paris an 
einem windigen Morgen am Are de Triomphe zusam- 
menkommen, um zum Eiffelturm zu gehen. Sie unter- 
halten sich über das Aaronische Priestertum, über die 
Segnungen, die man als Mädchen durch das 
Evangelium erhalten kann, und über die Rolle, die die 
französischen Jugendlichen spielen müssen, um 
anderen zu helfen, daß sie den Weg und die Wahrheit 
und das Licht finden. 

„Das Aaronische Priestertum zu haben ist eine 
große Verantwortung", sagt Peter Caplain, 18. „Es 
bedeutet, daß man bereits versprochen hat, alle 
Gebote zu halten. Man hat sich bereit erklärt, ein 
gutes Beispiel zu geben und im Namen Gottes zu 
handeln, ob man ein Priester ist, der eine Taufe voll- 
zieht, oder ein Diakon, der beim Abendmahl das Brot 
und das Wasser austeilt." 



EIN GEMEINSAMES ZIEL 

Paris ist eine Millionenstadt. „Aber selbst in einer 
so riesigen Stadt", erklärt Peter, „können wir etwas 
bewirken, weil wir ja das Aaronische Priestertum 
haben. Als Brüder haben wir alle das gemeinsame 
Ziel, geistig zu wachsen und unsere ewige Errettung zu 
erlangen." 

Aber das ist noch nicht alles. „Wir haben die 
Aufgabe, unseren Mitmenschen zu dienen", erklärt 
Guillaume Gaba, 15. „Wir sollen für sie tun, was Jesus 
Christus tun würde. Wenn ich für jemanden etwas 
Gutes tue, bin ich zufrieden. Jedesmal habe ich dann 
den Wunsch, es noch einmal zu tun, um das gleiche 



Gefühl immer und immer wieder zu haben.. Es ist 
wundervoll, wenn man glücklich ist." 

Elvin N. Soni, 18, stimmt ihm zu. „Wenn man das 

Aaronische Priestertum empfängt, empfängt man die 

Macht des Herrn, die Vollmacht, in seinem Namen zu 

■ handeln. Er hat uns auf die 

Erde gestellt, damit wir 

anderen dienen können." 

1 Und das, so Elvin, schließt 

zeitliche wie geistige Aufgaben 

ein. „Man achtet darauf, daß 

das Abendmahl ordentlich 

vorbereitet und ausgeteilt 

wird, man achtet darauf, daß 

das Gemeindehaus ganz 

sauber ist, und man bemüht 

sich, allen zu helfen, andächtig zu sein. Man begrüßt 

jeden Neuen in der Kirche, ohne jemanden abzu- 

lehnen. Man bemüht sich, jedem zu zeigen, daß er 

wichtig ist - daß er ein Sohn beziehungsweise eine 

Tochter Gottes ist. Man kümmert sich um alle in der 

Kirche und hilft ihnen allen und spornt sie alle dazu 

an, füreinander da zu sein." 






die Lehrer und die Priester viel mithelfen. „Das 
Priestertum ist nicht bloß etwas, worüber wir reden", 
sagt Loic noch. „Es ist etwas, das wir leben." 

Und dazu gehört einige Anstrengung, damit auch 
der eine Diakon, der nicht zu den Versammlungen 
kommt, angesprochen wird. „Früher ist er immer 
gekommen; ich weiß nicht, was passiert ist", sagt Loic. 
„Deshalb schreiben wir ihm und besuchen ihn. Wir 
zeigen ihm, daß er uns wichtig ist. Wir hoffen, daß er 
bald wieder bei uns ist." 

TÖCHTER GOTTES 

Francine Peleto, 18, ein Lorbeermädchen in der 
Gemeinde Antony, hört den Jungen zu und lächelt. 
„Man sieht, daß sie die Macht Gottes mit sich haben", 
sagt sie. „Es wirkt sich sehr auf ihr Leben aus. Sie 
benehmen sich nicht wie andere Jungen ihres Alters. 
Sie haben die höchsten Grundsätze." 



WIRKLICHE BRUDER 

Marceau Laval, 12, der seit sieben Monaten in der 
Gemeinde St. Ouen Diakon ist, erläutert weitere 
Aufgaben des Aaronischen Priestertums: „In unserer 
Gemeinde sind wir dafür zuständig, die Menschen am 
Sonntag in der Kirche zu begrüßen. Wir sind Boten 
für den Bischof und sollen bereit sein, alles zu tun, 
worum er uns bittet. Wir helfen den Sekretären, die 
Anwesenheitszahlen zu ermitteln, und wir rufen die 
Menschen an, die nicht kommen, um in Erfahrung zu 
bringen, ob sie krank sind oder Probleme haben, um 
ihnen von Aktivitäten zu erzählen und sie dazu anzu- 
halten, daß sie das nächste Mal kommen." 

Loic Gomes, 13, ist in der Gemeinde Antony 
Präsident des Diakonskollegiums. Er sagt, ihm gefalle 
am Aaronischen Priestertum vor allem, daß „wir wirk' 
lieh Brüder sind". 

- „Wir helfen einander", erklärt er. „Wenn einer von 
uns ein Problem hat, helfen die anderen ihm." In 
einem Diakonskollegium mit zwei aktiven Mitgliedern 
und einem weniger aktiven Mitglied bedeutet das, daß 



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Und was ist mit den Mädchen in der Gemeinde? 
„Wir sind Töchter Gottes", sagt Francine weiter. „Da 
wir das wissen, haben auch wir eine andere 
Einstellung. Wir haben völlig an den Segnungen des 
Priestertums teil. Es macht sehr viel aus, wenn man 
das Priestertum in der Familie hat. Eins 



meiner Hauptziele ist es, im Tempel zu 
heiraten - kraft der Vollmacht des 
Priestertums." 

Martine Petelo ist Francines ältere 
Schwester. Sie ist die Gemeinde-JD- 
Leiterin. 

„Viele der Jugendlichen hier haben 
keine Familie, die sie unterstützt, 
keine Familie, die sie zur Kirche 
mitnimmt", sagt Martine. „Aber sie 
kommen trotzdem. Sie strengen sich auch allein sehr 
an. Sie haben gelernt, mit ihrem eigenen Zeugnis fest 
zu stehen. Sie lieben die Kirche; sie kommen immer 
zur Pfahlkonferenz und zu den Jugendtagungen; sie 
sind immer sehr begeistert. Sie kommen von sich aus 
mit Ideen an und planen die Aktivitäten. Man muß sie 
nicht ständig unterhalten; sie achten selbst auf sich. 



Und sie bleiben sehr stark, sogar in Paris, wo es so 



viele Versuchungen gibt." 



DAS LICHT FINDEN 

Kurz gesagt, selbst in der Stadt des Lichts muß man 
lernen, die Schatten der Sünde zu 
meiden. Für diejenigen, die das tun, ist 
das Evangeliumslicht strahlendhell 
und warm und vertraut. Wie die 
Fackeln an den alten Mauern von 
Paris vertreibt es die Finsternis und 
sagt einem, daß man in Sicherheit ist, 
nämlich dort, wo die wohnen, die im 
Herzen rein sind. 

Dieser Ort hat auch einen Namen, 
nämlich Zion. D 

Elvin N. Soni, ganz links, und Guillaume Gäbet und 
Marceau Laval, links, vor dem Eiffelturm, sind glück- 
lich über die Bruderschaft im Aaronischen Priestertum. 
Hintergrund: Der Springbrunnen auf der Place de la 
Concorde am östlichen Ende der Champs - Elysees. 
Kleines Foto: Eine der vielen Seinebrücken in Paris. 



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11 



DU SOLLST NICHT 
FALSCH GEGEN 



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DEINEN NÄCHSTEN 



AUSSAGEN 



(.(. 



Robert J. Matthews 



Der Gehorsam gegenüber 
dem neunten Gebot befreit 
uns von der Furcht und 
Unsicherheit, dem Zweifel 
und der Seelenqual und 
dem endgültigen 
Schuldspruch, die alle die 
Frucht des Betrugs sind. 

Der junge Mann war 
erst seit etwas über 
einem Jahr an seinem 
Arbeitsplatz tätig. Er 
hoffte, daß die Teilzeit- 
steile, bei der er einem der 
einflußreichsten Abteilungsleiter der 
Organisation unterstand, irgend- 
wann in eine anspruchsvolle, ihn 
ausfüllende Vollzeitstelle umgewan- 
delt wurde. 




Falsche Aussagen können viele 
Formen annehmen. 20 Jahre lang 
logen Josefs Brüder und 
verbargen die Wahrheit und 
machten ihren Vater Jakob 
glauben, sein Sohn sei tot. 



Dann kam der junge Mann eines 
Tages zusammen mit seinem 
Abteilungsleiter mit dem Manager 
zusammen, und bei diesem Treffen 
schwand sein Vertrauen in den 
Abteilungsleiter völlig. Der Manager 
kritisierte einen Bericht, den der 
junge Mann verfaßt hatte, und der 
Abteilungsleiter, der den Bericht 
gelesen und den fraglichen Abschnitt 
geändert hatte, saß schweigend da, 
ohne ihm seine Hilfe anzubieten. 

„Aber in dem Text, den ich 
ursprünglich verfaßt hatte, bin ich 
doch darauf eingegangen", sagte der 
junge Mann, an seinen Abteilungs- 
leiter gewandt. Der Abteilungsleiter 
antwortete: „Davon weiß ich 
nichts." 

Der junge Mann wußte ganz 
sicher, was er geschrieben hatte. 
Später im Lauf des Tages, als der 
Abteilungsleiter gegangen war, sah 
der junge Mann in der Ablage nach, 
wo jeder in der Abteilung Kopien 
seiner Berichte ablegte. Alle Kopien 
waren ordnungsgemäß da, bis auf die 
fragliche. Sie war verschwunden. 

Nach jenem Tag war der junge 
Mann sorgfältig darauf bedacht, von 



allem, was er schrieb, eine zweite 
Kopie anzufertigen. Er arbeitete 
noch mit seinem Abteilungsleiter 
zusammen, wo es nötig war, aber als 
sich die Möglichkeit ergab, in eine 
weniger attraktive Abteilung zu 
einem Abteilungsleiter zu wechseln, 
von dem er wußte, daß er ehrlich 
war, nahm er die Gelegenheit wahr. 
Sein Leben war durch jemanden, der 
gegen seinen Nächsten falsch ausge- 
sagt hatte, beeinflußt worden. 

„Du sollst nicht falsch gegen 
deinen Nächsten aussagen" (Exodus 
20:16) ist das neunte der Zehn 
Gebote, die Mose zur Regierung und 
zum Nutzen der Israeliten erhielt. 
Aber der neunte Platz bedeutet 
nicht, daß dieses Gebot weniger 
wichtig wäre als die übrigen. Innerer 
Friede, Glück, Sicherheit, Vertrauen 
und Gelassenheit sind in Gefahr, 
wenn man dieses Gebot mißachtet. 

Die Übertretung dieses Gebots 
erfolgt vielleicht in ganz subtiler 
Form, wenn man zum Beispiel seinen 
Kindern durch sein Beispiel die 
Vorstellung vermittelt, es sei akzep- 
tabel, die Wahrheit ein klein wenig 
abzuwandeln, wenn man sicher sein 



NOVEMBER 
15 



19 9 8 



kann, daß man nicht ertappt wird. 
Aber die Folgen sind vielleicht 
genauso gefährlich wie die 
Bestrafung eines Menschen für ein 
Verbrechen, das er gar nicht 
begangen hat. Auf jeden Fall zersetzt 
eine solche Falschaussage - und 
Lügen ist nur ein Aspekt dieser 
Sünde - die Seele des Betreffenden 
und unterminiert das gegenseitige 
Vertrauen, das jede Gesellschaft 
braucht, um überleben zu können. 

AUS LIEBE ZU GOTT UND 
ZU SEINEN KINDERN 

Es gibt in den Zehn Geboten zwei 
Hauptkategorien. In den ersten vier 
Geboten geht es im wesentlichen 
um unsere Beziehung zu Gott. Die 
übrigen sechs behandeln die 
Beziehungen zu unseren Mitmen- 
schen. Das fünfte Gebot - laut dem 
wir unsere Eltern ehren sollen - 
stellt den natürlichen Übergang 
zwischen unseren Verpflichtungen 
gegenüber unseren himmlischen 
Eltern und unseren Mitmenschen 
dar. 

Diese beiden Kategorien finden 
wir auch in der Antwort des 
Erretters, als er gefragt worden war: 
„Meister, welches Gebot im Gesetz 
ist das wichtigste?" 

Der Herr antwortete: 

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, 
lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer 
Seele und mit all deinen Gedanken. 

Das ist das wichtigste und erste 
Gebot. 

Ebenso wichtig ist das zweite: Du 
sollst deinen Nächsten lieben wie 
dich selbst. 

An diesen beiden Geboten hängt 
das ganze Gesetz samt den 
Propheten." (Matthäus 22:36-40.) 



Unser Gehorsam gegenüber dem 
Gebot, nicht falsch gegen unseren 
Nächsten auszusagen, muß sowohl in 
unserer Liebe zu Gott als auch in der 
Liebe zu unseren Mitmenschen 
verwurzelt sein. Aber die Übertre- 
tung des neunten Gebots gehört zu 
den häufigsten Sünden. Eider Adam 
S. Bennion (1886-1958) vom 
Kollegium der Zwölf Apostel hat 
geschrieben: „Mord, Ehebruch und 




Saphira und Hananias wurden 
auf entsetzliche Weise bestraft, 
als sie versuchten, den bevoll- 
mächtigten Diener Gottes zu 
täuschen, was das gleiche ist, 
als wenn man Gott belügt. 



Stehlen, bei denen es um Leben, 
Tugend und Eigentum geht, werden 
vor dem Gesetz im allgemeinen als 
schwerwiegendere Übertretungen 
erachtet als Falschaussagen über 
den Mitmenschen. Letzteres mag 
vielleicht nicht so schwerwiegend 
sein, dafür kommt diese Übertre- 
tung aber um so häufiger vor." 
(„The Ninth Commandment", in 
The Ten Commandments Today 
[1955], 134.) 



Ein falsches Zeugnis geht gegen 
den Charakter und den guten Ruf. 
Wer es in böswilliger Absicht 
ausspricht, begeht eine Verleum- 
dung, die man auch als Rufmord 
bezeichnet, wie hier in Shakespeares 
Othello geschildert: 

Wer meinen Beutel stiehlt, nimmt 

Tand; 's ist etwas 
Und nichts; mein war es, ward das 

Seine nun, 
Und ist der Sklav von Tausenden 

gewesen. 
Doch, wer den guten Namen mir 

entwendet, 
Der raubt mir das, was ihn nicht 

reicher macht, 
Mich aber bettelarm. 
(Dritter Aufzug, dritte Szene, 
Zeile 157-161.) 

DIE WAHRHEIT UND NICHTS 
ALS DIE WAHRHEIT 

„Du sollst nicht falsch gegen deinen 
Nächsten aussagen" ist eindeutig mehr 
als ein Verbot von Falschaussagen. 
Die Formulierung dieses Gebots 
verlangt, daß eine ehrliche, direkte 
Antwort gegeben wird, wann immer 
wir gebeten werden, die Wahrheit zu 
sagen, wie wir sie kennen, wie zum 
Beispiel vor Gericht. Das neunte 
Gebot untersagt ganz umfassend alle 
Formen von Falschaussagen und 
Manipulationen an Informationen. 
Unsere Worte müssen mit den Fakten 
übereinstimmen. 

Einen interessanten Fall einer 
Übertretung dieses Gebots finden 
wir in der Apostelgeschichte. 
Während dieser Zeit galt: „Alle, die 
gläubig geworden waren, bildeten 
eine Gemeinschaft und hatten alles 
gemeinsam. 



DER 



STERN 
16 




Als Jesus Christus schuldig 
gesprochen wurde, stießen die 
verlogenen Zeugen ihre 
falschen Anschuldigungen 
gegen den aus, der das Gebot, 
gegen das sie verstießen, 
gegeben hatte. 



Sie verkauften Hab und Gut und 
gaben davon allen, jedem so viel, wie 
er nötig hatte." (Apostelgeschichte 
2:44,45.) 

In Apostelgeschichte 5: 1-1 1 lesen 
wir dann allerdings von Hananias 
und Saphira, die ein Grundstück 
verkauften und „etwas von dem 
Erlös für sich" behielten (siehe Vers 
2) . Sie verabredeten, den anderen zu 
sagen, sie hätten nur die geringere 
Summe erzielt. Petrus durchschaute 
ihre Lüge und erklärte Hananias: 
„Du hast nicht Menschen belogen, 
sondern Gott." (Vers 4.) 

Die heiligen Bündnisse, die 
Hananias und Saphira eingegangen 
waren, als sie gelobt hatten, alles 
gemeinsam zu besitzen, wurden 
verletzt, als der Mann und seine 
Frau eine falsche Aussage machten. 
Sie hatten vor, Petrus, den bevoll- 
mächtigten Diener des Herrn, zu 
täuschen, was das gleiche ist wie 
eine Täuschung Gottes. Über beide 
kam die gleiche entsetzliche Strafe: 
sie starben augenblicklich. Es wird 
zwar kaum jemand, der lügt, auf 
diese Weise bestraft, aber dieser Fall 
ist ein Beispiel dafür, wie schwerwie- 
gend eine solche Tat ist, und der 
Herr wollte hier offensichtlich ein 
bedeutsames Exempel statuieren. (In 
LuB 42:30-34; 82:11-21; 104:1-8 
können Sie nachlesen, wie ernst 



17 



NOVEMBER 1998 



dem Herrn ähnliche Bündnisse sind, 
die die Heiligen der Letzten Tage 
eingehen.) 

Das neunte Gebot ist also eine 
nachdrückliche Erklärung, die sich 
gegen die Verletzung von Bündnissen 
und Eiden und gegen alle Formen von 
Unwahrheit wendet, wozu auch Über- 
treibung, gewaltige Untertreibung, 
Lügengeschichten und das bewußte 
Äußern irgendwelcher Erklärungen 
gehören, die nicht den Tatsachen 
entsprechen. Auch wenn man nur die 
halbe Wahrheit sagt, ist das so, als ob 
man lügt, wenn wir dabei nicht das 
ganze Bild zeichnen. Wir machen 
uns auch schuldig, wenn wir gar 
nichts sagen, vor allem wenn wir 
Informationen für uns behalten, die 
einem anderen ein genaueres Bild 
einer Sache vermitteln würden. Das 
ist so, als hätten wir gelogen. 

Josefs Brüder logen und verbargen 
außerdem die Wahrheit, als sie 
ihrem Vater Jakob weismachten, sein 
Sohn sei tot. Nachdem Josef nach 
Ägypten in die Sklaverei verschleppt 
worden war, tränkten seine Brüder 
sein Gewand mit Ziegenblut, brachten 
es ihrem Vater und sagten: 

„Das haben wir gefunden. Sieh 
doch, ob das der Rock deines Sohnes 
ist oder nicht. 

Als er ihn angesehen hatte, sagte 
er: Der Rock meines Sohnes! Ein 
wildes Tier hat ihn gefressen." 
(Genesis 37:32,33.) 

20 Jahre lang ließen Josefs Brüder 
ihren Vater mit dieser falschen 
Schlußfolgerung leben. 

„DER SÜNDIGT" 

Lügen und falsche Darstellungen 
aller Art sind falsch, egal wie die 



Ausreden dafür lauten mögen, und 
wer Böses dieser Art einfach über 
sich ergehen läßt, begeht auch ein 
Unrecht. Jakobus hat erklärt: „Wer 
also das Gute tun kann und es nicht 
tut, der sündigt." Qakobus 4:17.) 
Davon ausgehend wird klar, daß, 
wenn jemand verleumdet wird oder 
über jemanden schlecht gesprochen 
wird, wir moralisch und den heiligen 




Falsche Aussagen können 
den guten Ruf eines Menschen 
vernichten, sie können Menschen 
das Herz brechen und die beruf- 
liche Laufbahn vernichten. 
Aufgrund einer Lüge saß eine 
unschuldige Frau 27 Jahre 
lang im Gefängnis. 



Schriften entsprechend verpflichtet 
sind, uns zu äußern und denjenigen, 
über den schlecht gesprochen wird, 
zu verteidigen. Wenn wir in einer 
solchen Situation schweigen, machen 
wir selbst eine falsche Aussage. Eider 
Gordon B. Hinckley hat sich als 
Mitglied des Kollegiums der Zwölf 
Apostel zu diesem Problem geäußert: 



„Im Fernsehen wurde vor kurzem 
von einer Frau berichtet, die sieben- 
undzwanzig Jahre im Gefängnis saß 
und aufgrund der Aussagen von 
Zeugen verurteilt worden war, die 
jetzt zugegeben haben, daß sie 
damals gelogen haben. Ich weiß, das 
ist ein Extremfall, aber kennen Sie 
nicht auch Fälle, wo dem guten Ruf 
eines Menschen Schaden zugefügt 
wurde, wo eine berufliche Laufbahn 
ruiniert wurde, weil jemand, der eine 
falsche Aussage gemacht hat, 
gelogen hat?" („An Honest Man - 
God's Noblest Work", Ensign, Mai 
1976, 61.) 

Beispiele für Falschaussagen 
finden wir in unserer heutigen 
Gesellschaft reichlich: da wird der 
Tacho eines Gebrauchtwagens 
zurückgedreht, damit man einen 
besseren Preis fordern kann, das 
Alter eines Kindes wird falsch ange- 
geben, damit man einen billigeren 
Fahrschein kaufen kann, in 
Prüfungen wird gemogelt, für Arbeit, 
die gar nicht erledigt wurde, wird 
Geld gefordert. 

Ein Freund erzählte mir von 
einem Erlebnis, aufgrund dessen die 
Beziehung zu einem Geschäft, das er 
regelmäßig aufgesucht hatte, 
beendet wurde. Er hatte einen Brief 
mit einem Gutschein für einen 
kostenlosen Ölwechsel bei einem 
bestimmten Autohändler erhalten. 
Im Anschluß an die Arbeit wurde 
ihm die Rechnung über das Ol 
ausgehändigt. Als er Einspruch 
erhob, erklärte man ihm, der 
Gutschein schließe nicht das Ol, 
sondern nur die Arbeit ein. 
Technisch und rechtlich stimmte das 
wohl, aber mein Freund, der das 



DER 



STERN 
18 




Gefühl hatte, daß er betrogen 
worden war, ging nie wieder dorthin. 
Werbeleute, Geschäfte und 
Einzelpersonen verdrehen und 
verpacken die Sprache manchmal 
so, daß sie in die Irre führt. Eine 
immer wieder vorkommende 
Methode ist der Gebrauch von 
langen, ungewöhnlichen, techni- 
schen oder anderen Begriffen, die 
den Eindruck vermitteln, sie bedeu- 
teten mehr, als es in Wirklichkeit der 
Fall ist. Das Verpacken von Wörtern 
- die Auswahl der Schrifttypen und 
der Gebrauch von Fotos oder 
anderen Illustrationen, die mit dem 



Thema eigentlich gar nichts zu tun 
haben, irreführende Tabellen und 
dergleichen - ist häufig so trügerisch, 
daß wir achtgeben müssen, um 
solche bewußten Versuche der 
Falschaussage um des persönlichen 
oder finanziellen Vorteils willen zu 
erkennen. 

Um solche schlauen Betrügereien 
und Falschaussagen einzudämmen, 
hat Jesus seinen Anhängern wohl 
geboten, ihre Rede auf das schlichte 
„Ja" und „nein" zu beschränken 
(siehe Matthäus 5:33-37). Wenn wir 
uns einfach äußern, kann man uns 
auch leicht verstehen, wir vermeiden 



In unserer heutigen Gesellschaft 
wird die Sprache häufig verdreht, 
um arglose Menschen zu täuschen. 
Deshalb müssen wir ständig auf 
der Hut sein, um nicht getäuscht zu 
werden. 



damit Auseinandersetzungen und 
bleiben im Herzen ehrlich. 

Es ist wohl offensichtlich, daß es 
den Herrn beleidigt, wenn man 
einen ungedeckten Scheck ausstellt 
oder Versprechungen macht, die 
man gar nicht einzuhalten beabsich- 
tigt. So etwas stößt einen ehrlichen 



NOVEMBER 1998 



19 



Menschen ab. Der akzeptable 
Verhaltensmaßstab für einen 
Heiligen der Letzten Tage ist viel 
höher; er fordert von uns, daß wir 
das Böse in jeder Gestalt meiden 
(siehe 1 Thessalonicher 5:22). 

Das wurde einer Mutter, die 
Mitglied der Kirche ist, klar, nachdem 
sie mit ihrer Tochter einkaufen 
gegangen war. Keine der Packungen 
mit Schleifen im Regal hatte genau 
die richtige Auswahl an Farben 
enthalten, aber es war möglich 
gewesen, die Packungen zu öffnen 
und sie wieder zu verschließen, 
deshalb hatte die Mutter aus einer 
Verpackung die Schleifen herausge- 
nommen, die sie nicht wollte, und sie 
mit den Schleifen in der gewünschten 
Farbe aus einer anderen Verpackung 
vertauscht. Beide Verpackungen 
enthielten anschließend dieselbe 
Anzahl an Schleifen, und auch die 
Qualität war die gleiche; nur die 
Farben waren anders. Aber die 
Mutter machte sich wegen dieses 
Einkaufs noch tagelang Gedanken. 
Schließlich wurde ihr deutlich klar, 
warum das so war; sie hatte die 
Wahrheit zu ihrem Vorteil manipu- 
liert und damit eine falsche Aussage 
getroffen. Demütig bat sie ihre 
Tochter um Verzeihung, weil sie ihr 
etwas vorgelebt hatte, was unehrlich 
war, und die beiden unterhielten sich 
darüber, wie sie dies wiedergutma- 
chen konnten. 

Eider J. Richard Clarke, der jetzt 
ein emeritierter Siebziger ist, hat 
erklärt, daß alle Formen von 
Täuschung für einen Jünger Christi 
völlig inakzeptabel sind: 

„Im Buch Mormon wird uns 
gesagt, daß wir, wenn wir ,sein Volk 



genannt' werden wollen, bereit sein 
müssen, .allzeit und in allem' und 
an allen Orten ,als Zeugen Gottes 
aufzutreten' - Ja, selbst bis in 
den Tod' (siehe Mosia 18:8,9). Für 
uns Mitglieder der Kirche steht 
dieses unser Zeugnis in unserem 
täglichen Leben unablässig auf dem 
Prüfstand. ... 

Den Israeliten und dann auch den 
Nephiten gebot der Herr: ,Du sollst 
nicht falsch gegen deinen Nächsten 
aussagen.' (Exodus 20:16; siehe 
auch Mosia 13:23.) Und es ist doch 
eine Falschaussage beziehungsweise 
ein falsches Zeugnis, wenn wir 
Evangeliumsgrundsätzen, zu denen 
wir uns bekennen, die wir aber nicht 
praktizieren, untreu sind." („Hold Up 
Your Light", Ensign, Mai 1985, 73f.) 

SICH NICHT IM NETZ DER LÜGE 
VERSTRICKEN 

Wie schwerwiegend eine Lüge ist, 
läßt sich nicht nur daran ermessen, 
wie groß der Schmerz ist, den man 
einem anderen zufügt. Eine Lüge hat 
auch für den, der sie ausspricht, 
verheerende Folgen. Sie raubt ihm 
die Selbstachtung und stumpft seine 
Fähigkeit ab, den Unterschied 
zwischen Wahrheit und Irrtum zu 
erkennen. Wenn eine Lüge erzählt 
wird, fängt häufig genug selbst derje- 
nige, der sie anfänglich verbreitet 
hat, an, daran zu glauben. Das war 
auch mit dem Christusgegner 
Korihor im Buch Mormon der Fall 
(siehe Alma 30:52,53). 

Außerdem stiehlt jemand, der 
lügt, vielleicht auch; jemand, dem 
Redlichkeit und Wahrheit wenig 
bedeuten, achtet vielleicht auch 
Eigentumsrechte nicht. Eine Sünde 



führt zur nächsten. Der Herr hat 
gesagt, daß Lügner, die nicht bereit 
sind umzukehren - „alle Lügner" - 
in die Hölle kommen und letztlich 
für die Ewigkeit dem telestialen 
Reich zugewiesen werden (siehe 
Offenbarung 21:8; 2 Nephi 9:34; 
LuB 42:21; 63:17; 76:102-106). 

Ein Mitglied erfuhr, wie leicht 
eine Lüge, der man nicht wider- 
spricht, uns im Netz der Sünde 
verstricken kann, selbst wenn wir 
glauben, wir hätten uns weit genug 
davon fern gehalten. Er kaufte ein 
Motorrad von einem Mann, der ihm 
sagte: „Bezahl du mir 600 Dollar, 
aber ich schreibe 400 Dollar auf die 
Quittung. Dann müssen wir nicht 
soviel Steuern zahlen." Der Käufer 
hatte vor, den Kaufpreis ehrlich zu 
melden; wenn der Verkäufer das 
nicht tun wollte, so überlegte sich 
der Käufer, konnte er ja nichts 
dagegen tun. 

Aber als er dann seine 
Steuererklärung erstellte und den 
Kaufpreis für das Motorrad 
ordnungsgemäß eintrug, wurde ihm 
klar, daß die Sache vielleicht doch 
nicht so einfach war, wie er gedacht 
hatte. Was war, wenn die Angaben 
des Käufers und die des Verkäufers 
irgendwie verglichen wurden? Oder 
wenn er seine Angaben belegen 
mußte? Es war höchst unwahr- 
scheinlich, daß das passierte, aber 
ihm war klar, daß es gar nicht darum 
ging. Er konnte nicht mit der 
Vorstellung leben, daß er eine Lüge 
unterstützt hatte, auch wenn sie 
nicht von ihm stammte. 

Der Käufer des Motorrads wandte 
sich noch einmal an den Verkäufer 
und bat um eine ordentliche 



DER STERN 

20 







So wie wir geloben, in irdischen 
Belangen immer wahre Zeugen zu 
sein, geloben wir auch, immer 
wahre Zeugen unseres Erretters 
Jesus Christus zu sein. 



Quittung. Er hatte etwas sehr 
Wichtiges gelernt: wenn wir Lügen 
auch nur im geringsten dulden, 
machen wir uns zu Komplizen des 
Betrugs. 

Die Zehn Gebote sind die ethische 
Grundlage, die jede Gesellschaft 
braucht, und schon das allein recht- 
fertigt unseren Gehorsam. Aber 
I im Licht der Evangeliumser- 
I kenntnis ist ihr ethischer Inhalt 
-< nicht der wichtigste Grund 
dafür, sie zu befolgen. Viel wich- 
tiger ist es, daß unser Herr und 
Erretter, Jesus Christus, uns dies 
geboten hat. Wenn wir es nicht 
tun, müssen wir die geistigen 
Folgen auf uns nehmen. 
Es ist eine der errettenden 
Lehren des Herrn, daß wir uns vor 
falschen Aussagen hüten sollen. Alles, 
was wir über den himmlischen Vater 
und sein Reich wissen, lehrt uns, daß 
vor ihm nichts Falsches annehmbar ist 
- keine Lügen, kein Verschweigen der 
Wahrheit, keine Manipulationen an 
den Fakten zu unserem Vorteil. All 
solches Tun ist seiner Kinder 
unwürdig und auch des Opfers Jesu 
Christi, der unser Leuchtstern ist, 
unwürdig. Wir müssen allzeit und in 
allem und an allen Orten als wahre 
Zeugen Gottes auftreten (siehe 
Mosia 18:8,9), wenn wir zu denen 
gehören wollen, die unser Herr und 
Erretter zu den Seinen zählt, wenn er 
wiederkommt. D 



NOVEMBER 1998 

21 




„Liebst du mich? ... 
Weide meine Schafe!' 
(Johannes 21:16.) 




Das hundertste 
Schaf 



James Edward Pedersen 

DIE RETTUNG DeS VERLORENEN LAMMES, GEMÄLDE VON MINVERVA TEICHERT; 
ILLUSTRATION VON JERRY THOMPSON 



Wir sollten auf unseren Bruder achtgeben, aber wir 
verloren ihn aus den Augen. 



Es war ein außergewöhnlich 
warmer Frühlings abend in Port 
Alberni, dem kleinen Ort in 
British Columbia in Kanada, wo ich 
wohnte. Ich freute mich darauf, zur 
GFV zu gehen und mit meinen 
Freunden in der Kirche zusammen zu 
sein. Ich war von Natur aus freund- 
lich, hatte aber trotzdem sowohl in 
der Schule als auch in der Kirche 
Mühe, Freundschaften zu schließen. 
Wie wir es uns angewöhnt 
hatten, standen wir im Foyer des 
Gemeindehauses als Gruppe 
zusammen und unterhielten uns. 
Ich beteiligte mich nicht so sehr an 
diesen Gesprächen, und da ich 
etwas am Rand saß, sah ich, wie zwei 
Missionarinnen mit einem Jungen 
durch die Eingangstür kamen. Ich 
kannte ihn flüchtig, weil er bei uns 
in der Nachbarschaft wohnte. 

Die eine Missionarin stand mit 
dem Jungen etwas abseits und unter- 
hielt sich mit ihm, während Schwester 
Eaton auf uns zukam und sagte: „Na, 
ihr. Wir sind total begeistert. Wir 
besuchen diesen Jungen und seine 
Familie schon seit ein paar Monaten, 
und jetzt ist er zum ersten Mal mitge- 
kommen. Könnt ihr ihm bitte helfen, 
daß er sich hier wohl fühlt?" 

Wir nickten halbherzig, sagten 
hallo und rückten ein wenig zur Seite, 
so daß er bei uns stehen konnte. Man 
sah ihm an, daß er sich nicht so recht 



wohl fühlte, und die meiste Zeit 
starrte er nur zur Erde. Im Vergleich zu 
den meisten von uns war er ärmlich 
gekleidet und etwas ungepflegt. Wir 
unterhielten uns noch ein paar 
Minuten, bis so viele Erwachsene 
kamen, daß wir uns gestört fühlten. 
Dann verzogen wir uns auf die 
Toilette, um unter uns zu sein. 

Wir alle, das heißt - bis auf den 
neuen Jungen. Wir waren so in 
unsere Unterhaltung vertieft, daß 
wir nicht sahen, wie er sich 
umdrehte und allein aus der Tür 
hinausging. Wir vermißten ihn auf 
der Toilette auch nicht. 

Ein paar Minuten später klingelte 
es, und der Eröffhungsteil begann. 
Wir verließen die Toilette und 
alberten noch ein bißchen herum. 
Direkt vor der Tür stand allerdings 
Schwester Eaton und wartete auf uns. 
Ihr liefen Tränen über das Gesicht. 

„Was ist denn mit euch los?" rief 
eher ungläubig als böse. „Ihr 



DER 



sie 

solltet doch bloß freundlich zu ihm 
sein und mit ihm reden. War das 
zuviel verlangt?" 

„Wo ist er denn hingegangen?" 
fragte ich etwas dümmlich. 

„Das ist dir doch völlig egal", gab 
sie zurück. „Ihr braucht euch wegen 
ihm keine Gedanken mehr zu 
machen. Er kommt ja sowieso nie 
wieder." Dann drehte sie sich um und 
verließ mit ihrer Mitarbeiterin das 

STERN 

22 



Gemeindehaus, um nach dem 
Jungen zu suchen. Bis zu unserer 
Nachbarschaft waren es ungefähr 
fünf Kilometer. 

Wir hatten ein schlechtes Gewissen 
und gingen leise und mit hängendem 
Kopf in die Kapelle. Auch als die 
anderen allmählich wieder lebhafter 
wurden, plagte mich mein Gewissen 
noch. Was wir da getan hatten, beun- 
ruhigte mich zutiefst. Als ich später 
am Abend nach Hause kam, sprach 
ich mit Laurence, meinem älteren 
Bruder, darüber. Er war vom College 



zurückgekommen und wollte bald auf 
Mission gehen. Ich achtete seinen Rat 
in geistigen Belangen. 

„Was meinst du denn, was du tun 
solltest?" fragte er, nachdem ich mit 
der Sache herausgeplatzt war. 

„Weiß ich nicht", gab ich trübe 
zurück. „Was kann ich denn jetzt 
noch tun? Schwester Eaton hat 
gesagt, es ist zu spät." 

Jetzt spürte Laurence, wie bedrückt 
ich war. 

Vielleicht auch nicht", meinte er 
mit einem hoffnungsvollen Ton in der 



Stimme. „Die Schwestern müßten 
inzwischen zu Hause sein. Ich rufe 
sie mal an." 

Innerhalb von fünf Minuten 
hatte Laurence die Adresse des 
Jungen, und wir gingen gemeinsam 
hin. Es war zwar nicht weit, aber bis 
wir in die spärlich beleuchtete 
Gegend, wo der Junge wohnte, 
kamen, war es schon ein bißchen 
dunkel. Ich war froh, daß mein 
Bruder bei mir war. Ich wußte nicht, 
was uns erwartete, und war ein 
bißchen nervös. 



Wir waren so in unsere 
Unterhaltung vertieft, daß 
wir nicht sahen, wie er 
sich umdrehte und allein 
aus der Tür hinausging. 




Wir kamen auf ein altes Haus zu, 
das einen neuen Anstrich vertragen 
konnte. Laurence sah nach der 
Hausnummer. 

„Das ist es", sagte er. Ich atmete 
tief durch und ging dann mit 
Laurence neben mir auf die Haustür 
zu. Ich klopfte rasch, ehe ich mich 
nicht mehr traute. Mir klopfte das 
Herz. Ein paar Augenblicke später 
kam eine Frau an die Tür, die ich für 
seine Mutter hielt. Sie sah älter aus, 
als ich erwartet hatte, und wirkte 
müde. 

„Hallo, ist Ihr Sohn da?" fragte ich. 

„Was willst du von ihm?" fragte sie 
argwöhnisch. 

„Er war heute abend bei uns in 
der Kirche, und wir haben ihn 
irgendwie nicht beachtet", stotterte 
ich. „Ich möchte mich entschuldigen 
und ihn bitten, wieder zu kommen." 

Sie verschränkte die Arme und 
musterte uns. Ich sah ihr an, wie sehr 
sie die Art, wie wir ihren Sohn 
behandelt hatten, verabscheute. 

Sie ignorierte mich und sah 
Laurence an und sagte: „Danke, 
daß Sie gekommen sind, aber ich 
glaube nicht, daß er noch einmal 
kommen will." 

Sie wollte die Tür schon wieder 
zumachen, da unternahm Laurence 
noch einen letzten Versuch, sie von 
unserer Umkehr zu überzeugen. „Die 
Jungen haben einen Fehler gemacht, 
und ich weiß, daß es ihnen leid tut. 
Ich kenne sie. Es wird nicht wieder 
geschehen." 

Aber die Tür war schon wieder 
zu, ehe er den Satz ganz ausgespro- 
chen hatte. Zum zweiten Mal an 
dem Abend spürte ich schmerzlich, 
daß ich etwas falsch gemacht hatte. 



Ich sah ihr an, wie sehr sie die Art, wie wir 
ihren Sohn behandelt hatten, verab- 
scheute. „Danke, daß Sie gekommen sind", 
sagte sie. „Ich glaube nicht, daß er noch 
einmal kommen will." _____ 



„Glaubst du, er wird je wieder- 
kommen?" fragte ich ängstlich. 

„Das bezweifle ich", meinte 
Laurence offen. 

Wir sagten auf dem Heimweg 
beide kaum noch etwas. Ich hatte 
einen Fehler begangen und wußte 
das. Ich hatte ihn zutiefst bereut und 
mich auch um Wiedergutmachung 
bemüht. Aber es war mir nicht 
gelungen. Ich wußte nicht, warum 
der Herr meine Umkehr nicht aner- 
kannte und die Schuldgefühle von 
mir nahm, schließlich hatte ich doch 
alle Schritte unternommen, die man 
mir beigebracht hatte. Es war ein 
schreckliches Gefühl. 

Die Antwort spürte ich 
schließlich im Herzen. Ich hatte 
nicht genug getan. Aber ich hatte 
zuviel Angst, noch einmal hinzu- 
gehen und es wieder zu versuchen. 
Deshalb tat ich es nicht. 

Ich habe damals völlig versagt, und 
ich schäme mich dessen noch immer 
zutiefst. Aber auf eine merkwürdige 
Art und Weise habe ich daraus etwas 
sehr Wichtiges gelernt - etwas, das 
mich noch immer demütig stimmt 
und mich daran erinnert, was verlangt 
wird, wenn man ein wahrer Jünger 
Jesu Christi sein will. 

Der Erretter hat gelehrt: 

„Ich bin der gute Hirt. Der gute 
Hirt gibt sein Leben hin für die 
Schafe. 

Der bezahlte Knecht aber, der 
nicht Hirt ist und dem die Schafe 
nicht gehören, läßt 
die Schafe im Stich 



und flieht, wenn er den Wolf 
kommen sieht; und der Wolf reißt sie 
und jagt sie auseinander. Er flieht, 

weil er nur ein bezahlter Knecht 
ist und ihm an den Schafen nichts 
liegt." (Johannes 10:11-13.) 

Ob ich es zugeben wollte oder 
nicht, ich war kein Hirt. Ich war wie 
der bezahlte Knecht geflohen. Ich 
hatte nicht lange genug nach dem 
verlorenen Schaf gesucht, um es zu 
finden. Schon nach einem einzigen 
Versuch hatte ich den Jungen den 
Wölfen überlassen. Ich war nicht 
bereit, den nötigen Preis zu bezahlen, 
um ein wahrer Hirt zu sein. 

Ich sehe den Jungen immer noch 
vor mir und wüßte gern, was aus ihm 
geworden ist. Ich spüre immer noch 
die Verantwortung für das, was ich 
getan habe, und für das, was ich 
nicht getan habe. 

Wie alle Mitglieder der Kirche 
muß ich ein Hirt sein. Ich muß 
Freude daran haben, meinen 
Brüdern und Schwestern zu dienen 
und sie in die Gemeinschaft einzube- 
ziehen, wer sie auch sein mögen. □ 




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Präriegummi!" rief Roxanna. „Wollen wir ein 
bißchen Präriegummi sammeln?" 
„Ja", sagte Rachel. Sie war gerade die wenigen 
Kilometer gekommen, die zwischen ihrem und 
Roxannas Grashaus in der Prärie lagen, aber sie konnte 

noch weiter gehen, 
wenn sie dafür 



Präriegummi bekam, eine klebrige Masse, die sich an 
den abgebrochenen Stengeln der hohen harzigen 
Pflanzen sammelte, die überall auf der Prärie wuchsen. 

Im Frühjahr blühten die Pflanzen wie kleine gelbe 
Sonnenblumen, aber jetzt war Herbst, und die harzigen 
Pflanzen waren wie alles auf der Prärie braun und 
trocken. Die kleinen Wildblumen, die die weite Prärie 
mit roten, orangefarbenen und violetten Tupfern 
übersät hatten, waren alle nicht mehr da. 

Die beiden sechsjährigen Mädchen 
gingen Hand in Hand durch das 
trockene Gras. Sie waren froh, 
daß sie so nah beieinander 
wohnten; die meisten Familien 






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Rebecca Todd 

(Nach einer wahren Begebenheit) 

ILLUSTRATION VON DICK BROWN 



in der Prärie hatten keine Nachbarn in der Nähe. Das 
goldene Land erstreckte sich weithin, und es gab kaum 
Häuser. Während Rachel und Roxanna so gingen, 
konnte sie kein einziges weiteres Grashaus sehen. 

Sie gingen von Pflanze zu Pflanze, und die langen 
Zöpfe wippten auf ihrem Rücken. Sie versuchten, soviel 
Gummi zu sammeln, daß sie einen Klumpen bekamen, 
den sie kauen konnten. Sie waren so darauf bedacht, 
nach den Pflanzen Ausschau zu halten, daß sie gar 
nicht merkten, wie weit sie schon gekommen waren. 
Als sie plötzlich weiter weg jemanden schreien hörten, 
blieben sie erschrocken stehen. 

„Hör mal! Was war das?" Rachels braune Augen 
blickten ängstlich. Die beiden Mädchen strengten sich 
an, den Laut zu hören. Da sahen sie in der Ferne, wie 
Roxannas Vater auf sie zugerannt kam. „Das ist dein 
Vater! Er will etwas. Kannst du ihn verstehen, 
Roxanna?" fragte Rachel ängstlich. 



„Lauft! Lauft! Lauft!" schrie Roxannas Vater, so laut 
er konnte. „Lauft zu der Stelle, wo wir gepflügt haben!" 
Roxanna sah die Stelle, wo ihr Vater den Prärieboden 
umgepflügt hatte, sofort. Im ersten Jahr konnte der 
Prärieboden noch nicht weiter bearbeitet werden. Er 
mußte umgepflügt werden und blieb dann erst einmal 
brach liegen. Im Herbst und Winter verrotteten die 
harten Graswurzeln, und im nächsten Frühjahr kam ein 
gewöhnlicher Pflug gut durch den Boden. Roxanna griff 
nach Rachels Hand und begann auf das umgepflügte 
Stück Land zuzulaufen. Es waren ungefähr fünfhundert 
Meter. Sie stolperten durch das hohe, trockene 
Präriegras. 

„Lauft zu dem umgepflügten Land! Lauft! Lauft!" 
Roxanna und Rachel konnten das blaue Hemd sehen, 
das Roxannas Vater trug. Er winkte heftig. „Lauft! 
Lauft!" Seine Stimme war immer noch etwas schwach 
zu hören, aber sie verstanden ihn genau. 








„Roxanna, was ist bloß los?" fragte Rachel keuchend. 

„Weiß ich nicht", gab Roxanna außer Atem zurück. 
Keins der Mädchen blieb stehen. Ihre Eltern hatten sie 
gelehrt, sofort zu gehorchen, deshalb rannten sie nun, 
so schnell die kleinen Beine sie trugen. 

Das Präriegras fühlte sich wie Klauen an, die nach 
ihnen griffen und sie zu Fall bringen wollten. Roxanna 
stolperte über ein Kaninchenloch, aber Rachel zog sie 
wieder hoch. Rachel bekam kaum noch Luft, aber sie 
lief weiter. 

Endlich waren sie am Rand des umgepflügten Stücks 
Land angekommen. Roxannas Vater kam ihnen entge- 
gengerannt. Er nahm beide Mädchen auf den Arm und 
schleppte sie mitten auf das schwarze Stück Land. 

„Legt euch hin!" keuchte er und warf sich schützend 
über sie. Der schwarze Boden war hart und zerkratzte 
den Mädchen das Gesicht. 

„Was ist denn?" stieß Rachel hervor. 

Ein lautes Knistern war die Antwort. Sie wandte sich 
um und sah riesige Flammen über die Prärie eilen. Das 
orangefarbene Feuer verschlang das trockene Gras, 
auch an der Stelle, wo Rachel und Roxanna eben noch 
gestanden hatten. Die Flammen schössen hoch in den 
Himmel, und ihr Zischen hörte sich wie böses Lachen 



an. Die Luft über ihnen war von grauem Rauch und 
roter Asche erfüllt. Roxannas Augen und Lunge 
brannten von dem Rauch. Rachel hatte das Gefühl, ihr 
würde von der starken Hitze die Haut versengt. 

„Haltet aus, Mädchen", sagte Roxannas Vater 
flehentlich. 

Dann war die Gefahr vorüber. Das Feuer zog rasch 
weiter über die Prärie. Rachel, Roxanna und Roxannas 
Vater waren unversehrt geblieben, weil um sie herum 
kein Gras mehr gestanden hatte, das hätte brennen 
können. Sie setzten sich und starrten dem Feuer nach. 
Rachel wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß 
und den Schmutz aus dem Gesicht. Roxanna stieß 
einen Seufzer der Erleichterung aus. 

„Fast hätten wir es nicht mehr geschafft", sagte 
Roxannas Vater. Er blickte zurück auf den schwarzen 
Streifen, den das Feuer auf der Prärie zurückgelassen 
hatte. Der Boden um das umgepflügte Stück Land 
herum war schwarz und heiß. Er atmete tief ein. „Wir 
haben es geschafft, weil ihr sofort auf mein Rufen 
gehört habt." Dann neigte er den Kopf und dankte dem 
himmlischen Vater, daß die Mädchen gehorsam 
gewesen waren und daß keiner von ihnen durch das 
Feuer verletzt worden war. D 



KINDERSTERN 

4 



EIN DANKBARES HERZ 

Präsident James E. Faust * Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 





Während der 
Weltwirtschaftskrise 
haben wir manches 
Wichtige gelernt, das wir nie 
vergessen haben. Unter anderem 
haben wir gelernt, für das, was wir 
hatten, dankbar zu sein, weil wir ja 
so wenig hatten. Statt neidisch oder 
böse zu sein, weil wir etwas nicht 
hatten, waren viele von uns 
dankbar für die bescheidenen, 
einfachen Dinge, mit denen wir 
gesegnet waren, wie zum 
Beispiel warmes, selbstge- 
backenes Brot und Haferbrei. 

Ich erinnere mich noch, wie 
meine liebe Großmutter, Mary 
Caroline Roper Finlinson, auf der 
Farm Seife gemacht hat. Die Seife 
roch stechend und war fast so hart 
wie Ziegelsteine. Wir hatten kein 
Geld für weiche, duftende Seife. 
Auf der Farm mußte viel staubige, 
verschwitzte Kleidung gewaschen 




werden, und es waren viele 
Personen da, die am Samstagabend 
ein Bad brauchten. Wenn man mit 
der selbstgemachten Seife badete, 
wurde man wunderbar sauber, aber 
hinterher roch man schlimmer als 
vorher. Seit jener Zeit bin ich jeden 
Tag dankbar, daß ich milde, 
duftende Seife habe. 

Ein dankbares Herz macht einen 
großen Menschen aus. Es ist ein 
* * Ausdruck von Demut. Es hilft uns, 
solche Tugenden wie Beten, 
Glauben, Mut, Zufriedenheit, 
Glück, Liebe und Wohlergehen zu 
entwickeln. Der Herr hat gesagt: 
„Und wer alles mit Dankbarkeit 
empfängt, der wird herrlich gemacht 
werden; und die Dinge dieser Erde 
werden ihm zufallen, ja, hundert- 
fältig und mehr." (LuB 78:19.) D 

Nach einer Ansprache von der 
Generalkonferenz im April 1 990. 



DAS MITEINANDER 



DANK SAGEN 



Sydney Reynolds 




„Du sollst dem Herrn, deinem Gott, in allem dankbar 
sein." (LuB 59:7.) 

Wie viele Möglichkeiten, danke zu sagen, 
gibt es? Wer sagt gracias? Wo sagt man thank 
you? Und malo oder tak oder merci oder 
kansha shimasu? In der ganzen Welt sagen die Kinder in 
ihrer eigenen Sprache danke (siehe „Children All Over 
the World", Children 's Songbook, 16£). Der himmlische 
Vater hört und versteht sie. Er hört es gern, wenn die 
Kinder ihren Eltern, ihren Freunden und vor allem ihm 
danke sagen. 

Wir können danke sagen; wir können unseren Dank 
aufschreiben; wir können darüber singen, wie dankbar 
wir sind; wir können im Herzen dankbar sein. Der 
himmlische Vater möchte, daß wir uns häufig 
bedanken, weil er weiß, daß wir glücklich sind, wenn 
wir ein dankbares Herz haben. 

Im Buch Mormon lesen wir von Jakob, dem Bruder 
Nephis, der große Mühe damit hatte, seine 
Aufzeichnungen auf die Platten zu gravieren. Aber er 
tat es gern, weil die Platten jahrelang Bestand haben 
sollten. Er hoffte, daß die Menschen, die seine Worte 
einmal lesen, sie mit dankbarem Herzen annehmen 
(siehe Jakob 4:3). Seine Worte sind jetzt Teil unserer 
heiligen Schriften, und wir können sie alle voll 
Dankbarkeit lesen. 

Das Volk Alma dankte dem Herrn, weil er es aus der 
Knechtschaft befreit hatte und ihnen die Last leichter 
gemacht hatte, als sie noch Sklaven waren. Man könnte 
annehmen, daß man als Sklave nicht soviel hat, wofür 
man dankbar sein kann, aber das Volk Alma wußte, daß 
der Herr es getröstet hatte. Im Tal Alma erhoben sie die 
Stimme, um Gott zu danken und ihn zu lobpreisen 
(siehe Mosia 24:20-22). 

Zur Zeit Jesu mußten die Menschen, die Lepra, eine 
gefürchtete Krankheit, hatten, sich von den anderen 
fernhalten, um niemanden anzustecken. Eines Tages 
standen 10 Aussätzige, wie man die Leprakranken auch 
nannte, etwas abseits und riefen Jesus zu, er möge sie 
doch heilen. Jesus sagte, sie sollten sich den Priestern 
zeigen. Da geschah ein Wunder - sie waren geheilt. Zehn 



Männer waren geheilt, aber leider kam nur einer zurück, 
um sich zu bedanken. Wir wollen immer daran denken, 
dem Herrn in allem dankbar zu sein (siehe LuB 59:7). 

Anleitung 

In manchen Ländern der Erde ist das Füllhorn ein 
Symbol der Fülle und der Dankbarkeit. Klebt Seite 7 
auf festes Papier, und schneidet das Füllhorn, den 
Schlitz und die Bilder der Dinge, für die wir dankbar 
sind, aus. Klebt die Bilder in die Öffnung des Füllhorns 
und achtet dabei darauf, daß ihr den Schlitz nicht 
zuklebt. Klebt einen kleinen Umschlag hinter den 
Schlitz und hängt das Füllhorn bei euch zu Hause auf. 
Bittet die Mitglieder eurer Familie, auf ein kleines Blatt 
Papier zu schreiben oder zu malen, wofür sie dankbar 
sind, und das Blatt dann durch den Schlitz zu stecken. 
Öffnet den Umschlag beim Familienabend oder beim 
Abendessen und lest die Zettel abwechselnd vor oder 
besprecht die Zeichnungen. 

Ideen für das Miteinander 

1. Sagen Sie LuB 59:7 gemeinsam auf, um den Kindern zu 
helfen, den Vers auswendig zu lernen. Bitten Sie dann ein Kind, zu 
sagen: „Ich hin dankbar für (kann es sich selbst aussuchen)." Lassen 
Sie das Kind dann gemeinsam mit Ihnen die Schriftstelle aufsagen; 
bitten Sie anschließend ein weiteres Kind, den Satz zu sagen und zu 
sagen, wofür es dankbar ist. Fahren Sie fort, bis viele Kinder die 
Schriftstelle gemeinsam mit Ihnen aufgesagt haben. Konzentrieren 
Sie sich auf das Danksagen, indem Sie auf einige der Antworten 
eingehen und auch selbst sagen, wofür Sie dankbar sind. 

2. Sprechen Sie darüber, wie wir angemessen zdgen können, 
daß wir dankbar sind, unter anderem, indem wir Briefe schreiben. 
Lassen Sie die Kinder jemandem aus ihrer Familie, einem 
Heimlehrer, einer Lehrerin oder einem Lehrer in der Schule, einem 
Missionar usw. einen kleinen Dankbrief schreiben. (Kleinere Kinder 
könnten ein Bild von jemandem malen, für den sie dankbar sind, 
oder auch ein Bild von etwas, wofür sie dankbar sind.) Bitten Sie 
die Kinder, sich vorzustellen, sie schrieben dem himmlischen Vater 
einen Dankbrief. Was würden sie ihm gern sagen? Erinnern Sie sie 
daran, daß sie dem Vater im Himmel beim Beten jedes Mal danke 
sagen können. Singen Sie ein Lied über Dankbarkeit, zum Beispiel 
„Ich dank, dir, o Vater" (Sing mit mir, A-8). D 



KINDERSTERN 

6 



\Tb'\n dankbar /^ 




FÜR UNSERE KLEINEN FREUNDE 



ROBERTO FALLT NOCH 

ETWAS EIN 



Matthew und Danielle Kennington 

Roberto", rief die Mutter. „Zeit zum 
Abendessen!" Roberto vergaß die Autos, 
mit denen er gerade spielte, und lief 
zum Tisch. Papa und Carlos saßen schon an 
ihrem Platz. Roberto konnte die Videos, sein 
Lieblingsessen, riechen. Er kletterte auf seinen Stuhl 
und griff nach der dampfenden Schüssel mit den Nudeln. 

„Roberto, hast du etwas vergessen?" fragte sein Vater. 

Roberto stand noch einmal auf und rannte zur Spüle. 
Er wusch sich die Hände und trocknete sie rasch ab. 
Mama setzte sich gerade an den Tisch, als Roberto 
zurückkam. Er kletterte auf den Stuhl neben ihr und 
griff wieder nach den Nudeln. 

Diesmal fragte seine Mutter: „Roberto, hast du etwas 
vergessen?" Roberto sah sich um. Alle hatten die Arme 
verschränkt, und Carlos hatte schon den Kopf geneigt. 
Roberto verschränkte die Arme und neigte auch den 
Kopf. Papa bat Carlos, zu beten. 

Roberto hörte zu, wie Carlos dem himmlischen Vater 
für das Essen dankte, aber dann mußte Roberto wieder 
an Mamas köstliche Videos denken, und so hörte er das 
Gebet gar nicht weiter. Sobald Carlos Amen gesagt 
hatte, griff Roberto nach dem großen Löffel. Er schau- 
felte sich Nudeln auf den Teller, bis die Mutter ihm den 
Löffel wegnahm. 

„Soviel kannst du erstmal essen", sagte sie. „Wenn du 
dann noch Hunger hast, bekommst du noch welche." 




Als Roberto seinen Teller leer gegessen hatte, hatte 
er keinen Hunger mehr. Er konnte nichts mehr essen, 
nicht einmal den Pudding, den seine Mutter zum 
Nachtisch gemacht hatte. Er sah zu, wie Carlos sich 
lächelnd Pudding nahm. Roberto wünschte sich, die 
anderen würden schneller machen, damit er wieder zu 
seinen Spielsachen zurückkehren konnte. 

Endlich lehnte Papa sich zurück und lächelte Mama 
an. „Das war wundervoll", sagte er. „Danke." 

„Ja, danke, Mama", sagte Carlos. 

„Darf ich aufstehen?" fragte Roberto. 

Roberto spielte bis zum Schlafengehen. Carlos half 
ihm, aus Bauklötzen Häuser zu bauen. Sie bauten 
Tunnel, durch die sie ihre Autos fahren konnten. Sie 
hatten fast eine ganze Stadt gebaut, als die Mutter 
sagte: „Schlafenszeit." 




KINDERSTERN 

8 





Nachdem Roberto und Carlos gebetet hatten, 
erzählte ihr Vater ihnen noch eine Geschichte. Es war 
eine Geschichte aus der Bibel darüber, wie Jesus 
Christus zehn Männern geholfen hatte, die Aussatz 
hatten. „Weißt du, was ein Aussätziger ist?" fragte Papa 
Dann erklärte er: „Ein Aussätziger ist jemand, der sehr 
krank ist, so daß er manchmal weggehen und für sich 
allein leben muß. Der Erretter hat die zehn Männer 
geheilt, und dann konnten sie wieder nach Hause 
gehen und bei ihrer Familie leben. Aber nur einer 
dachte daran, sich zu bedanken." 

„Oh", sagte Roberto. „Warum denn?" 

„Ich weiß nicht, warum sie sich nicht bei Jesus 
bedankt haben. Was meinst du, Carlos?" 
fragte Papa. 

Carlos dachte kurz nach. „Ich 
glaube, sie waren so glücklich, 
daß sie wieder nach Hause 
durften, daß sie es ganz 
vergessen haben." 

Papa nickte. „Und was 
meinst du, Roberto?" 



Roberto sprang plötzlich aus dem Bett. „Einen 
Augenblick mal", sagte er. „Mir ist etwas eingefallen." 
Er lief nach unten. 

Mama spülte gerade das Geschirr. Sie war überrascht, 
als sie Roberto sah. „Solltest du nicht im Bett sein?" 

„Ich muß dir erst was sagen. Du hast heute mein 
Lieblingsessen gekocht, und ich habe mich gar nicht 
bedankt", sagte Roberto. 

Mama lächelte. „Gern geschehen. Ich tue gern etwas 
für dich, vor allem, wenn du daran denkst, dich zu 
bedanken." 

Roberto lief wieder nach oben in sein Zimmer. Carlos 
hörte zu, wie sein Vater die Geschichte zu Ende 
erzählte. „Danke, daß du heute mit mir gespielt hast", 
sagte Roberto zu Carlos. „Und danke, Papa, daß du mir 
Geschichten von Jesus erzählst." 

„Gern geschehen", sagte Papa und schaltete das 
Licht aus. „Gute Nacht, Roberto. Gute Nacht, Carlos." 

Aber Roberto konnte nicht sofort einschlafen. Er lag 
still da und dachte an die vielen Dinge, für die er 
dankbar war. Er war glücklich und wünschte sich, er 
könnte den himmlischen Vater fest drücken. Dann 
stand er noch einmal auf und betete ein weiteres Mal. 
Diesmal war es ihm ganz ernst, als er dem himmlischen 
Vater für die Fideos, für Mama, Papa und Carlos dankte 
- und dafür, daß er ihm geholfen hatte, daran zu 
denken, danke zu sagen. □ 




MOSE 



UNTERWEIST SEIN VOLK 



Vivian Paulsen 





Ott berief Mose dazu, 
der Prophet zu sein, 

•^^ der die Israeliten aus 
der ägyptischen Knechtschaft 
herausführte. Er teilte das Rote 
Meer, so daß Mose das Volk hindurchführen kc 
so daß es dem ägyptischen Heer entkam. Als die 
Menschen nichts mehr zu essen hatten, gab der Herr 
ihnen Manna, das sie jeden Tag, außer am Sabbat, 
frisch sammelten. Als sie Wasser brauchten, gab er 
es ihnen. Der Herr segnete sein Volk, und es war 
dankbar. 

Nachdem sie zwei Monate durch die Wildnis 
gezogen waren, kamen sie an den Berg Sinai. Mose 
stieg auf den Berg, und der Herr rief ihn und sagte 
ihm, er solle dem Volk sagen: „Wenn ihr auf meine 
Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet ihr 
unter allen Völkern mein besonders Eigentum sein." 
(Exodus 19:5.) Das Volk antwortete: „Alles, was der 
Herr gesagt hat, wollen wir tun." (Exodus 19:8.) 

Der Herr bat Mose, das Volk am Fuß des Berges 
zu sammeln. Als sie sich alle gesammelt hatten, 
wurde der Berg von einer Rauchwolke bedeckt, und 
der ganze Berg bebte. Dann sprach der Herr: 

„Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten 
geführt hat; aus dem Sklavenhaus. 

Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. 

Du sollst dir kein Gottesbild machen. . . . 



Du sollst den Namen des 
Herrn, deines Gottes, nicht 
mißbrauchen. . . . 

Gedenke des Sabbats: Halte 
ihn heilig! . . . 
Ehre deinen Vater und deine Mutter. . . . 



Du sollst nicht morden. 

Du sollst nicht die Ehe brechen. 

- 

Du sollst nicht stehlen. 

Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten 
aussagen. 

Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten 
verlangen." (Exodus 20:2-4,7,8,12-17.) 

In den darauffolgenden 40 Jahren zogen die 
Israeliten auf dem Weg ins verheißene Land durch 
die Wildnis. Mose unterwies sie und erteilte ihnen 
Rat. Er bemühte sich, ihnen zu helfen, diese Gebote, 
die Gott auf Steintafeln geschrieben hatte, zu 
befolgen. Sie werden die Zehn Gebote genannt. 

Wir waren zwar nicht am Berg Sinai, als diese 
Gebote gegeben wurden, aber es ist für uns heute 
genauso wichtig, sie zu befolgen, wie damals zur Zeit 
des Mose für die Israeliten. Wenn wir diese 
Geschichte in den heiligen Schriften lesen, können 
wir uns vorstellen, daß wir hören, wie die Stimme 
des Herrn zu uns spricht und die Stimme des Mose 
uns rät, die Gebote, die auf dem Sinai gegeben 
wurden, zu halten. □ 



KINDERSTERN 



Anleitung 

Kleb die Flanelltafelfiguren auf festeres Papier, mal sie an, schneide sie aus und verwende 
sie, um die Geschichte von Mose und den Zehn Geboten zu erzählen. 




Das Rote Meer teilte sich, und die Israeliten zogen hindurch 



NOVEMBER 1998 
11 




EIN BEISPIEL 
GEBEN 



Natalie Russi Silva 




VERSUCHEN, WIE JESUS ZU SEIN 



ch heiße Natalie. Ich bin am 4. Mai 1988 in Alidorf 

in der Schweiz geboren. Ich bin froh, daß ich ein 

Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage bin. 

Meine kleine Schwester Christin und ich lernen viel, 
wenn wir sonntags in die Kirche gehen. Christin ist 
meine beste Freundin. Unsere Lehrerinnen erzählen uns 
Geschichten aus dem Buch Mormon und aus der Bibel. 
In der PV ist es viel schöner als in der Schule! 

Letztes Jahr bin ich getauft worden. Ich hatte das 
Gefühl, ich würde von neuem geboren und finge ein 
neues Leben an. Jetzt möchte ich die Gebote und die 
Bündnisse, die ich mit dem Vater im Himmel 
geschlossen habe, halten, auch wenn das manchmal 
nicht so einfach ist. 

Ich bin in der dritten Klasse. Ich gehe in Obfelden 
zur Schule. Manchmal habe ich das Gefühl, daß ich die 
einzige in der Schule bin, die Jesus Christus liebt und 
ihn achtet. Manche meiner Freunde in der Schule 
halten das Wort der Weisheit nicht, und sie reden viel 
über weltliche Dinge. In meiner Schule sagen viele 
Kinder schlimme Wörter. Es kommt einem so normal 
vor, schlimme Wörter zu sagen, daß ich mich manchmal 
fehl am Platz fühle. Es fällt mir schwer, mich nicht 
daran zu gewöhnen, und manchmal müssen meine 
Eltern mich zu Hause daran erinnern. 

Meine Mutter sagt mir, daß die Kinder, die in der 
Kirche sind, der Welt ein Licht sein müssen; wir müssen 
den Kindern, die das Evangelium nicht kennen, ein 
Beispiel geben. Ich bemühe mich, das zu tun, indem ich 
lieb bin und mich mit denen anfreunde, die nicht viele 
Freunde haben. 

KINDERSTERN 

12 




Als ich im Kindergarten war, hatte ich eine Freundin, 
die anders war als die anderen. Sie war geistig behindert, 
und die anderen machten sich über sie lustig. Ich habe 
mit diesem Mädchen gespielt, aber manche der anderen 
Kinder waren gemein. Sie haben sie sogar manchmal 
geschlagen. 

Eines Morgens habe ich nach ihr gesucht. In 
unserem Zimmer konnte ich sie nicht finden, deshalb 
bin ich nach draußen gegangen. Als ich sie fand, aß sie 
gerade Gras. Ein paar Kinder hatten ihr gesagt, es wäre 



Salat und sie sollte es essen. Ich war so böse, daß ich 
anfing zu weinen. Ich nahm ihr das Gras aus dem Mund 
und heiterte sie wieder auf. Danach waren wir gute 
Freundinnen. Jetzt geht sie in eine Sonderschule, und 
ich sehe sie nicht mehr, aber ich werde sie nie 
vergessen. 

Jeden Tag bitte ich den Vater im Himmel, mir zu 
helfen, daß ich anderen helfen kann, daß ich meine 
Brüder und Schwestern lieben und ihnen in der Schule 
ein Vorbild sein kann. □ 



Gegenüberliegende Seite: 
Natalie Russi Silva, rechts, und 
ihre Schwester Christin, links, 
sind gute Freundinnen. 






WAS ERWARTET 

JESUS CHRISTUS 

VON MIR? 



DJ. und Linda Sherwood 



Denkt ihr manchmal darüber nach, was ihr tun sollt? Ich ja. Dann versuche 
ich, an den Erretter zu denken. Ich frage mich: was erwartet Jesus Christus 
von mir? 



CHRISTUS BRINGT DEN STURM ZUM SCHWEIGEN, 
GEMÄLDE ROBERT T. BARRETT 



Ich möchte manchmal lieber fernsehen und 
Videospiele spielen, statt meine Hausaufgaben zu 
machen und mit meiner Familie in den heiligen 
Schriften zu lesen. Was erwartet Jesus Christus 
von mir? 

Da nicht alle Glauben haben, so sucht eifrig und lehrt 
einander Worte der Weisheit; ja, sucht Worte der Weisheit 
aus den besten Büchern; trachtet nach Wissen, ja, durch 
Lerneifer und auch durch Glauben. (LuB 88:118.) 




JESUS ALS JUNGE IN DER ZIMMERMANNSWERKSTATT, GEMÄLDE PARSON 




Bald bin ich acht. Ich habe ein bißchen Angst 
davor, mich taufen zu lassen. Was erwartet Jesus 
Christus von mir? 

Dies aber ist das Gebot: Kehrt um, all ihr Enden der 
Erde, und kommt zu mir, und laßt euch in meinem 
Namen taufen, damit ihr durch den Empfang des 
Heiligen Geistes geheiligt werdet, damit ihr am letzten 
Tag makellos vor mir stehen könnt. (3 Nephi 27:20.) 



JOHANNES TAUFT JESUS, GEMÄLDE VON HAARY ANDERSON 



KINDERSTERN 



14 



Ich spare schon eine Weile für ein neues Fahrrad. 
Wenn ich diesen Monat keinen Zehnten zahle, habe 
ich genug. Was erwartet Jesus Christus von mir? 

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner 
Rechtschaffenheit, so wird euch dies alles dazugegeben 
werden. (3 Nephi 13:33.) 




DIE BERGPREDIGT, GEMÄLDE VON HARRY ANDERSON 




IMMER AN IHN DENKEN, GEMÄLDE VON ROBERT T. BARRETT 



Als ich einkaufen war, habe ich ein Päckchen 
Kaugummi gestohlen. Es schmeckt gut, aber ich 
weiß, daß das, was ich getan habe, falsch war. Was 
erwartet Jesus Christus von mir? 

Ich, der Herr, vergebe Sünden und bin barmherzig zu 
denen, die ihre Sünden mit demütigem Herzen 
bekennen. (LuB 61:2.) 




Ich gehe sonntags normalerweise gern zur Kirche, 
aber manchmal würde ich lieber draußen mit 
meinen Freunden spielen. Was erwartet Jesus 
Christus von mir? 

Damit du dich selbst noch mehr von der Welt unbefleckt 
halten mögest, sollst du an meinem heiligen Tag ins Haus 
des Betens gehen und deine heiligen Handlungen 
darbringen. (LuB 59:9.) 







NOVEMBER 199 

15 



Der gemeinste, stärkste Junge der Schule wohnt 
neben uns. Er ärgert mich immer. Was erwartet 
Jesus Christus von mir? 

Ich sage euch: Liebt eure Feinde, segnet die, die euch 
fluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet 
für die, die euch mißhandeln und verfolgen. (3 Nephi 
12:44.) 





WAS SOLL ICH DANN MIT CHRISTUS TUN? GEMÄLDE VON ROBERT T. BARRETT 



Meine Oma ist gestorben. Ich vermisse sie so sehr 
- ich möchte am liebsten nur noch in meinem 
Zimmer bleiben und weinen. Was erwartet Jesus 
Christus von mir? 

Ihr sollt liebevoll miteinander leben, so daß ihr über den 
Verlust derer, die sterben, weint. . . . Und es wird sich 
begeben: Wer in mir stirbt, wird nichts schmecken vom 
Tod, denn er wird ihm süß sein. (LuB 42:45,46.) 
Wenn du bekümmert bist, so rufe den Herrn, deinen 
Gott, in demütigem Gebet an, damit eure Seele sich 
freue. (LuB 136:29.) 



JESUS ERSCHEINT DEN FÜNFHUNDERT, GEMÄLDE VON GRANT ROMNEY CLAWSON 




FOTOS VON WELDEN ANDERSEN 
UND LONGIN LONCZYNA 



WAS KANN ICH TUN? 
WAS KÖNNT IHR TUN? 






KINDERSTERN 

16 





BESUCHSLEHRBOTSCHAFT 



55 



DAMIT ICH EUCH HEILE" 



Inmitten der Finsternis, die nach 
der Kreuzigung des Erretters 
herrschte, hörten die Nephiten 
eine Stimme flehen: „Wollt ihr nicht 
jetzt zu mir zurückkommen und von 
euren Sünden umkehren und euch 
bekehren, damit ich euch heile?" 
(3Nephi9:13.) 

„DER BALSAM GÖTTLICHER 
VERGEBUNG" 

Sünden verletzen uns in geistiger 
Hinsicht. Aber der Erretter gibt uns 
dieselbe Verheißung wie den 
Nephiten, nämlich daß er uns heilt, 
wenn wir umkehren. Eider Robert L. 
Backman von den Siebzigern hat 
erklärt: „Jesus hat im Garten 
Getsemani und am Kreuz alle unsere 
Sünden auf sich genommen. Er ist 
gestorben, damit wir leben. Wer von 
uns hat die Schmerzen der Sünde 
noch nicht erfahren? Wer braucht 
nicht dringend den Balsam göttlicher 
Vergebung, der die verwundete Seele 
heilt?" („Jesus the Christ", Ensign, 
November 1991, 9.) 

Balsam kann Heilkraft haben, und 
er wurde schon in alter Zeit 
verwendet. Das Sühnopfer des Herrn 
kann für eine Seele, die der Heilung 
bedarf, wie Balsam sein. Wer sich 
kraft der vom Herrn übertragenen 
Vollmacht taufen läßt und gelobt, 
seine Gebote zu halten, kann - durch 
aufrichtige Umkehr - den göttlichen 
Balsam der Vergebung erhalten. 

„IHNEN KANN VERGEBEN WERDEN" 

Umkehr erfordert Veränderung - 
daß man von sündigem Tun, von 
sündigem Reden und Denken abläßt 
und statt dessen Rechtschaffenheit 
übt. Das erfordert Reue und häufig 
auch Wiedergutmachung. Und 
manchmal erfordert es, daß man 



einem Priestertumsführer bekennt, 
was man getan hat. 

Leider meinen manche 

Menschen, ihre Sünden seien so 
schwerwiegend, daß ihnen niemals 
vergeben werden kann. Präsident 
Spencer W. Kimball hat von einer 
Frau erzählt, die eine schwerwie- 
gende Sünde bekannte, dann aber 
sagte: „Ich weiß, daß mir niemals 
vergeben werden kann." 

Präsident Kimball erwiderte: 
„Ihnen kann vergeben werden." 
Gemeinsam lasen sie die Schrift- 
stellen, aus denen hervorgeht, daß 
der Erretter bereit ist, zu vergeben, 
darunter Matthäus 12:31,32, wo der 
Herr sagt, er werde jede Sünde 
vergeben, außer „die Lästerung 
gegen den Geist". 

Voll neuer Hoffnung sah sie 
Präsident Kimball an und sagte: „Ich 
glaube Ihnen. Ich werde . . . diese 
Vergebung erlangen." Sie kehrte 
einige Zeit später zurück und wirkte 
„wie ein neuer Mensch - mit strah- 
lenden Augen, beschwingt, von 
Hoffnung erfüllt." Sie war umgekehrt 
und hatte die heilende Vergebung 
des Herrn gespürt. (Siehe The 
Miracle of Forgiveness [1969], 340ff.) 




TÄGLICHE UMKEHR 

Meist geht mit der Umkehr keine 
drastische Veränderung einher. 
Vielmehr gehören dazu kleine, 
häufig tägliche Veränderungen, die 
uns zum göttlichen Wesen 
hinführen. Präsident Brigham Young 
hat einmal gesagt: „Man kann . . . 
keinen anderen Beweis dafür geben, 
daß ein Volk treu nach seiner 
Religion lebt, als daß sie aufrichtig 
von ihren Sünden umkehren, das 
Gesetz der Taufe zur Sündenverge- 
bung befolgen und dann weiterhin 
Tag für Tag die Werke der 
Rechtschaffenheit tun." (Lehren der 
Präsidenten der Kirche: Brigham Young 
[1997], 75.) 

Umkehr ist ein Geschenk Gottes. 
Sie dient dazu, uns Freude zu 
schenken. Nachdem Aaron König 
Lamonis Vater im Erlösungsplan 
unterwiesen hatte, fragte der König: 
„Was soll ich tun, daß ich dieses ewige 
Leben habe? . . . Ich will alles hergeben, 
was ich besitze, . . . damit ich diese 
große Freude empfangen kann!" 

Aaron erklärte ihm, er solle 
Glauben üben und umkehren. Und so 
sagte der König, er werde etwas 
ablegen, was wir alle ablegen müssen, 
wenn wir zu Christus kommen 
wollen: „O Gott, ... ich will alle 
meine Sünden ablegen, um dich zu 
erkennen." (Alma 22:15-18.) 

Ob groß oder klein, jede Sünde 
verletzt unsere Seele. Glücklicher- 
weise haben wir einen Erretter. 
Wenn wir zu ihm kommen und 
weiterhin Umkehr üben, nimmt er 
unser Opfer an und heilt uns. 

• Welche Schritte müssen wir gehen, 
um wahrhaftig von unseren Sünden 
umzukehren? 

• Inwiefern führt wahre Umkehr zu 
geistiger Heilung? D 



^^ 



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FOTO VON BRIAN K. KELLY 




Ehepaare berichten, 
inwiefern das 
Beherzigen der 
Grundsätze des 
Evangeliums ihnen 
hilft, ihre Ehe zu 
festigen. 



Jede Ehe ist Prüfungen und 
Herausforderungen ausgesetzt, 
aber wenn ein Ehepaar die 
Gebote hält und sich um 
Weisung vom Geist des Herrn 
bemüht, kann es eine starke Einheit 
schaffen, die vor den Stürmen des 
Lebens Bestand hat. Die Zeitschriften 
der Kirche haben ihre Leser gebeten, 
zu berichten, wie das Evangelium 
ihnen hilft, eine bessere Ehe zu 
führen. Es folgt eine Auswahl aus den 
Antworten. 

Bauen Sie auf der Eheschließung 
im Tempel auf. Mein Mann, John, ist 
für Highschoollehrer eingesprungen. 
Eines Tages kam man in der Schule 



Wenigstens einmal im Jahr nehmen 
wir an Siegelungen teil, um die 
Bündnisse, die wir am Altar im 
Tempel eingegangen sind, nicht zu 
vergessen. Außerdem gibt es in 
unserer Ehe keinen „Hinterausgang". 
Wir stellen uns unseren Problemen 
gemeinsam, statt vor ihnen wegzu- 
laufen, und wir beziehen den Herrn 
in unsere Entscheidungen ein. 

Es gibt Kleinigkeiten, die wir tun, 
um uns an das zu erinnern, was wir 
im Tempel versprochen haben. Wir 
nörgeln nicht aneinander herum; 
das übernehmen schon genug 
andere in der Gesellschaft für uns. 
Und wir übersehen Kleinigkeiten. 



Eine 

Ehe schaffen 




auf das Thema Ehe zu sprechen, und 
die Schüler meinten, in seinem Alter 
müßte er eigentlich geschieden und 
zum zweiten Mal verheiratet sein 
und sich gerade darauf vorbereiten, 
seine Frau zu verlassen, um die dritte 
zu heiraten. Sie meinten, er nehme 
seinen Kindern die Chance, mit 
Stiefgeschwistern aufzuwachsen, 
und bereite sie nicht genügend auf 
ihre Scheidung vor! 

John erwiderte, eine Ehe könne 
sogar in der heutigen Welt Bestand 
haben, und erklärte, von unseren 
Eltern und Großeltern habe sich nie 
jemand scheiden lassen. Sie hätten 
ihm, wie er sagte, ein gutes Beispiel 
gegeben, und wir hätten vor, unseren 
Kindern das gleiche Beispiel zu 
geben. 

Später unterhielten wir uns über 
das, was uns zusammenhält. Vor 
allem haben wir im Tempel gehei- 
ratet und bemühen uns, regelmäßig 
in den Tempel zurückzukehren. 



Wen wird es in hundert Jahren inter- 
essieren, daß das Geschirr nicht 
jeden Abend gespült wurde? Am 
besten ist, daß wir uns immer wieder 
darauf freuen, zueinander nach 
Hause zu kommen. Das Ziel für uns 
als Ehepaar besteht darin, unsere 
himmlische Heimat zu erreichen, 
damit wir immer zueinander nach 
Hause kommen können. - Maria und 
John Bates 

Studieren Sie die heiligen Schrif- 
ten. Ich kam an einem Frühlings- 
abend fröhlich nach Hause und fand 
meine Frau in Tränen aufgelöst vor. 
Ich fragte sie rasch, was passiert war. 
Sie erklärte, mein Vater, der mich 
ein paar Jahre vorher enterbt hatte, 
weil ich in der Kirche aktiv war, 
hätte angerufen. Er hatte versucht, 
ihr weiszumachen, ich sei ein 
schlechter Ehemann. Ich wurde 
wütend, weil er meine Frau so sehr 
durcheinandergebracht hatte, daß 
sie weinte. 



NOVEMBER 

27 



19 9 8 



Ich wollte meinen Vater anrufen, 
um es ihm heimzuzahlen. Aber dann 
beschloß ich, zu warten und mich erst 
zu beruhigen. Zwei Tage lang blieb ich 
verärgert und verbittert. Am Ende 
des zweiten Tages knieten meine Frau 
und ich zum Beten nieder. Da mir 
nicht so recht nach Beten zumute 
war, bat ich sie, für uns zu beten. 

Sie nahm meinen Arm und sagte: 
„Ich möchte, daß du vor dem Beten 
noch eine Schriftstelle liest." Sie 
schlug das Buch 3 Nephi auf und las: 
„Liebt eure Feinde, segnet die, die 
euch fluchen, tut Gutes denen, die 
euch hassen, und betet für die, die 
euch mißhandeln und verfolgen." 
(12:44.) 

Mir klopfte das Herz. Ich hatte 
plötzlich das Gefühl, da spräche der 
Erretter direkt zu mir, denn seine 
Worte drangen mir tief ins Herz. Ich 
begann zu weinen, da ich spürte, wie 
mein zorniges Herz weich wurde. 

Als ich meine Frau ansah, sagte 
sie etwas, was ich nie vergessen 
werde: „Weißt du, warum ich dir 
diese Schriftstelle vorgelesen habe? 
Ich möchte, daß du der beste 
Mensch bist, der du nur sein kannst." 
Ich war überwältigt. Meine liebe 
Frau hatte mit der Schriftstelle eine 
Tür geöffnet, durch die mir das Licht 
der Grundsätze des Evangeliums ins 
Herz schien, und ich konnte meinem 
Vater vergeben. Dadurch habe ich 
meine gute Frau noch viel mehr 
schätzen gelernt. Das Evangelium 
hat uns eine solide Grundlage für 
unsere Ehe geschenkt, und wir 
bemühen uns auch weiterhin, der 
beste Mensch zu sein, der wir nur 
sein können. - Name ist der 
Redaktion bekannt 

Bemühen Sie sich um geistige 
Gaben. Das Evangelium Jesu Christi 
ist in unserer Ehe in vielfacher 
Hinsicht ein großartiges Werkzeug. 
Ich habe mich an den himmlischen 
Vater gewandt, um bei Problemen, 
vor denen mein Mann und ich 



standen, Hilfe zu bekommen. Ich 
fühlte mich gedrängt, mit meinem 
Bischof zu sprechen, der mir kraft 
des Priestertums die Gabe verlieh, 
deutlich mit meinem Mann zu 
reden. Dieser Segen ist in unserer 
Ehe ein großer Segen. 

Wir haben auch gebetet, der Herr 
möge uns beiden das Herz erweichen, 
damit wir gegebenenfalls sehen, wo 
wir Fehler gemacht haben. Nur der 
Geist des Herrn kann unser Herz 
umwandeln und uns den Blick über 
das hinaus öffnen, was wir jetzt sehen. 
- Name ist der Redaktion bekannt 

Vertrauen Sie dem Herrn. Ich 
erinnere mich noch daran, welche 
Gefühle mein Herz bewegten, als ich 
neben meiner Braut im Siegelungs- 
raum des Tempels saß: ich war aufge- 
regt und von Freude und Angst 
erfüllt. Ehe wir am Altar nieder- 
knieten, erteilte uns der Tempel- 
präsident noch Ratschläge in bezug 
auf die Bedeutung dessen, was wir 
da vorhatten. Er erklärte uns, unsere 
Ehe werde nicht von Prüfungen 
verschont bleiben. Damals kamen mir 
seine Worte gar nicht so wichtig vor. 

Jetzt, Jahre später, wo meine Frau 
und ich Kinder im Teenageralter 
haben, was manchmal nicht so 
einfach ist, haben diese Worte des 
Tempelpräsidenten eine neue 
Bedeutung. Ich weiß noch, wie ich 
eines Abends durchs Haus gegangen 
bin und überall das Licht ausge- 
schaltet habe und mich dann in den 
Sessel gesetzt habe, um darauf zu 
warten, daß auch das letzte unserer 
Kinder nach Hause kam. Die Zeiger 
der Uhr über dem Fernsehgerät 
zeigten mir, daß unser Sohn im Begriff 
war, sein Zeitlimit zu überschreiten. 
Die Minuten vergingen, und es war 
mir unmöglich, im Sessel einzunicken. 

Als die Zeiger der Uhr über 2:45 
Uhr hinausgingen, machte ich mir 
Sorgen. War mein Sohn verletzt? Lag er 
irgendwo auf der Straße? Endlich hörte 
ich ihn hereinkommen. Was sollte ich 



sagen? Die Auseinandersetzung 
dauerte nur wenige Minuten, die mir 
aber wie eine Ewigkeit vorkamen. 
Später fingen meine Frau und ich an, 
mehr über unsere Rolle im Leben 
unserer Kinder nachzudenken. 

Wir haben aus der Angst in jener 
Nacht und aus anderen Konflikten 
mit unseren Kindern im Teenage- 
ralter gelernt und unsere Methoden 
geändert. Uns ist klar geworden, daß 
wir weniger darum besorgt sein 
mußten, ob das Verhalten unserer 
Kinder ein schlechtes Licht auf uns 
warf, und mehr und inniger um ihr 
ewiges Wohlergehen besorgt sein 
mußten. Wir waren Eltern gewesen, 
die Probleme in der Familie unter 
den Teppich gekehrt hatten, um 
peinlichen Situationen aus dem Weg 
zu gehen. Jetzt wurden wir Eltern 
die Glauben übten und lernten, mit 
den abfälligen Kommentaren von 
Angehörigen und Nachbarn zu 
leben, und sich lieber um Weisung 
an den Herrn wandten. 

Durch diese stürmischen 
Prüfungen ist unsere Ehe stärker 
geworden. Wir wissen, daß unser 
gütiger und liebevoller Vater im 
Himmel ein Programm aufgestellt 
hat, das uns Schritt für Schritt 
vorankommen läßt: „Wer Licht 
empfängt und in Gott verbleibt, 
empfängt mehr Licht; und das Licht 
wird heller und heller bis zum voll- 
kommenen Tag." (LuB 50:24.) 

Dadurch, daß wir unser Vertrauen 
in den Herrn setzen, erleben wir, wie 
uns dieser Wachstumsprozeß auf 
höhere Ebenen des Einblicks ins 
Evangelium bringt und uns dazu 
bewegt, uns noch fester dazu zu 
verpflichten, die Lehren des Erretters 
auf unser Leben zu beziehen. - Ron 
Hansen 

Bauen Sie auf das Evangelium. 
Es bleiben wohl nur wenige Ehen vor 
den Stürmen der Prüfungen, der Flut 
an Folgen von katastrophalen 
Entscheidungen oder den Tagen 



DER STERN 

28 



bewahrt, an denen man sich fragt, 
warum man den anderen bloß gehei- 
ratet hat. Zwar kann all dies eine 
Ehe zerstören, aber wir haben die 
Erfahrung gemacht, daß wir eine 
Grundlage haben, auf die wir bauen 
können, wenn wir die Gebote halten 
und unserer Ehe oberste Priorität 
einräumen. 

Nichts im Leben fällt einem 
wirklich leicht. Wir müssen täglich 
an unserer Ehe arbeiten. So wie 
unser Zeugnis täglich neue Nahrung 
braucht, braucht auch unsere Ehe 
Nahrung - in Form von liebevollen 
Worten, von rascher Vergebungsbe- 
reitschaft und Rücksichtnahme. 



Wir achten außerdem darauf, daß 
wir dort sind, wo wir sein sollten, 
daß wir tun, was wir tun sollten. 
Wenn es Sonntag ist, gehen wir 
zur Kirche. Wenn es Morgen ist, 
lesen wir in den heiligen Schriften 
und beten. Wir erinnern uns 
daran, daß unser Ziel nicht darin 
besteht, gleich zu denken, sondern 
darin, zusammen zu denken. Mein 
Mann und ich wissen, wie unter- 
schiedlich wir sind, und wir 
bemühen uns, unsere unterschiedli- 
chen Standpunkte zu verstehen. 
Unser Ziel ist es, uns unser Leben 
lang immer wieder aufs neue inein- 
ander zu verlieben. 



Dadurch, daß wir unsere 
Beziehung auf dem Evangelium 
aufbauen, haben wir einen Anker, 
der das „Haus unserer Ehe" auf 
dem Felsen festhält, von dem der 
Erretter gesprochen hat: „Als nun 
der Regen fiel und die Fluten kamen 
und die Winde wehten und an 
das Haus stießen, stürzte es doch 
nicht ein, denn es war auf einem 
Felsen gegründet." (3 Nephi 14:25.) 
- Shondra Imler Yeager 

Studieren Sie die Grundsätze des 
Evangeliums. Wir sind beide mit 
wenig Selbstwertgefühl in die Ehe 
gegangen, und wir waren tendenzi- 
elle Einzelgänger. Eines Abends bat 



So wie Eltern nach Möglichkeiten Ausschau halten, mit ihren Kindern 
zusammen zu sein, sollten Mann und Frau auch nach Möglichkeiten 
Ausschau halten, miteinander allein zu sein, um ihre Beziehung zu festigen 
und dafür zu sorgen, daß ihre Liebe gesund und lebendig bleibt. 




meine Frau zwei Missionare der 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage herein, weil draußen 
ein Schneesturm wütete und sie ihr 
leid taten. Ich erlangte ein Zeugnis 
davon, daß die Kirche wahr ist - 
obwohl ich erst sehr zurückhaltend 
war - und wir ließen uns schließlich 
taufen. Als Mitglieder haben wir 
gelernt, daß jeder von uns ein Kind 
Gottes ist und daß wir uns verbes- 
sern können. Wir haben die 
Tatsache akzeptiert, daß wir 
Schwächen mitbekommen haben, 
um Demut zu lernen, und daß aus 
unseren Schwächen Stärken werden 



können (siehe Ether 12:27). Das hat 
uns den Mut gegeben, gemeinsam 
weiter zu machen und uns mit den 
richtigen Grundsätzen zu befassen, 
die uns helfen, die nötigen Ände- 
rungen vorzunehmen. 

Als ich viel später als Bischof 
berufen wurde, konnte ich das, was ich 
zusammen mit meiner Frau studiert 
hatte, an viele Menschen weitergeben: 
Grundsätze aus den heiligen Schriften, 
Artikel aus den Zeitschriften der 
Kirche, Bücher, die ich gelesen 
hatte, und Geschichten, die ich 
gehört hatte und aus denen 
hervorging, wie die Grundsätze 



des Evangeliums eine Ehe besser 
machen können. Jede Geschichte 
war nützlich, da jede auf einem 
Evangeliumsgrundsatz basierte. Diese 
praktischen Hilfen, Erfahrungen 
und gesammelten Geschichten - 
verbunden mit Einblicken aus den 
heiligen Schriften - haben nicht nur 
meiner Frau und mir geholfen, 
weiter an unserer Ehe zu arbeiten 
und gern zusammen zu sein, sondern 
auch vielen anderen. So vieles im 
Evangelium kann uns helfen, 
unsere Beziehung zu unserem 

Ehepartner zu verbessern. 

- Robert N. Allen 




Halten Sie an Ihrem Ehepartner 
fest. Nur wenige Monate nachdem 
wir geheiratet hatten, mußten wir 
umziehen, weit weg von unseren 
Eltern. Deshalb konnten wir uns nicht 
mit jeder Kleinigkeit an unsere Eltern 
wenden. Wir waren gezwungen, das 
zu tun, wozu der Herr rät, nämlich 
aneinander festzuhalten und an 
niemand anderem (siehe LuB 42:22). 

In jenen ersten Jahren unserer Ehe 
mußten wir uns damit abmühen, uns 
an das Leben im Militär, aneinander, 
an lange Trennungszeiten und dann 
auch an ein Baby zu gewöhnen. Aber 
wir haben diesen Stürmen getrotzt 
und um so mehr an einander festge- 
halten, und so ist unsere Liebe trotz 
der Stürme gewachsen. 

Da alles andere unsere Ehe unter- 
stützen und uns unserem Ziel, 
nämlich der Erhöhung, näher 
bringen soll, halten wir nicht an 
materiellen Dingen, an einer 
Karriere, an ehrenamtlicher Arbeit 
fest, auch wenn all das gelegentlich 
unserer Aufmerksamkeit bedarf. 
Manchmal haben wir sogar die 
Aufgaben, die mit einer Berufung in 
der Kirche verbunden waren, beiseite 
gelegt, weil unsere Ehe unserer 
Aufmerksamkeit bedurfte. 

Manchmal halten wir nur ganz 
kurz aneinander fest. Häufig sind 
solche Augenblicke mit anderen 
Aufgaben verbunden, wenn wir zum 
Beispiel zu einer Führerschaftsver- 
sammlung oder nach Hause zurück 
fahren oder gemeinsam, ohne unsere 
Kinder, einkaufen gehen. So wie wir 
nach Möglichkeiten Ausschau halten, 
mit unseren Kindern zusammen zu 
sein, halten wir nach Möglichkeiten 
Ausschau, ohne sie zu sein. 

Andere Augenblicke, in denen wir 
einander festhalten, sind geplant. 
Der Rat, einmal in der Woche 
miteinander auszugehen, ist inspi- 
riert. Es muß nichts Teures sein; man 
muß nicht einmal die Wohnung 
verlassen. Es muß auch nicht ohne 



die Kinder sein. Es ist unsere Zeit, in 
der wir etwas für unsere Beziehung 
tun und dafür sorgen, daß unsere 
Liebe gesund und lebendig bleibt. 

Bei all den vielen Stimmen, die 
versuchen, unsere Bemühungen, 
Erhöhung zu erlangen, zu vereiteln, 
wissen wir, daß alles, was darauf aus 
ist, eine Ehe zu zerstören, nicht von 
Gott ist. Unsere Ehe hat überlebt, weil 
wir uns bemühen, den Rat zu 
befolgen, aneinander festzuhalten und 
Gott zu dienen. - Becky E. Ludlow 

Beten Sie. Als Chad, unser Baby, 
meine Frau immer mehr bean- 
spruchte, spürte ich, wie der Groll in 
mir wuchs. Mit Chad kam neue 
finanzielle Verantwortung, und der 
Druck, dem ich ausgesetzt war, 
wuchs. Häufig hatte ich das Gefühl, 
daß meine Frau mich nicht verstand. 
Durch das Bedürfnis, verstanden zu 
werden, wuchs in mir der Wunsch, 
außerhalb meiner Ehe nach 
Freundschaft und seelischer Unter- 
stützung zu suchen. Dann dachte ich 
an das Gefühl, das ich gehabt hatte, 
als ich meine liebe Frau im 
Siegelungsraum des Boise -Tempels 
an der Hand gehalten hatte. Dort 
hatte der Geist des Herrn mir ein 
reines Zeugnis von der Heiligkeit 
unserer Ehe gegeben. Jenen 
Augenblick werde ich nie vergessen. 

Ich bin einmal gefragt worden, ob 
wir für eine gute Ehe beten. Wir tun 
es jetzt. Am Ende jedes Tages knien 
wir mit unserem Sohn zum 
Familiengebet nieder. Es gibt im 
Evangelium so viele Hilfsmittel für 
eine gute Ehe. Unsere Ehe wird 
dadurch zusammengehalten, daß wir 
eine starke Beziehung zum himmli- 
schen Vater haben. - Scott A. Carlson 

Seien Sie dankbar und verge- 
bungsbereit. Es war spät. Mein 
Mann und ich waren beide 
erschöpft, das Haus war durchein- 
ander, und unser Kleinkind ärgerte 
das Baby. Da begannen mein Mann 
und ich plötzlich eine Diskussion, 



die rasch in einen Streit ausartete. 
Unsere Gefühle waren verletzt. Bald 
saß ich in einem Zimmer und mein 
Mann in einem anderen. Im Haus 
herrschte Stillschweigen. 

Ich brachte die Kinder ins Bett, 
und wir hatten immer noch nicht 
miteinander gesprochen. Unser 
Zuhause war bloß noch ein Haus: 
leer, kalt und still. Ich konnte nicht 
schlafen. Mein Kopfkissen wurde 
von den Tränen naß, und ich mußte 
immer wieder an meinen wunder- 
vollen Mann denken, mit dem ich 
seit sechs Jahren verheiratet war und 
der jetzt allein im Wohnzimmer saß. 

Ich begann um Weisung zu beten. 
Ich wollte, daß er den ersten Schritt 
tat und sagte, daß es ihm leid tat, 
aber noch mehr wünschte ich mir 
die liebevolle Atmosphäre in 
unserem Haus zurück. Während ich 
betete, war ich von wundervollen 
Erinnerungen an meinen Mann, 
unsere Ehe, unsere Tempelbündnisse 
und all meine Segnungen erfüllt. Da 
kam mir ein Gedanke - Was erwartete 
der Herr von mir? Ich weinte noch 
mehr, und noch ehe ich nachdenken 
konnte, kniete ich neben meinem 
Mann und weckte ihn behutsam auf. 

Er nahm mich in den Arm und 
sagte: „Wein doch bitte nicht." Wir 
sagten einander beide immer wieder, 
wie leid es uns tat und wie sehr wir 
einander lieb hatten. Sofort erfüllte 
wieder ein liebevoller Geist unser 
Haus. 

Ich dankte dem himmlischen 
Vater im stillen, weil er mich dazu 
gebracht hatte, mit dem Herzen 
zuzuhören, demütig zu sein und 
daran zu denken, was für ein Segen 
mein Mann für unser gemeinsames 
Leben ist. Seit jenem Abend sind 
mein Mann und ich darum bemüht, 
vorsichtiger zu sein, wenn wir 
erschöpft sind, und wir versuchen, 
unsere Segnungen nicht zu 
vergessen und geduldiger zu sein. 
- Kelly Smith D 



NOVEMBER 
31 



19 9 8 



JEDER KANN ETWAS BEWIRKEN 



Paul Cox 

Die Schöpfung Gottes 
bewahren 




Anne Billings 

FOTOS VON MARK A. PHILBRICK/BRIGHAM YOUNG UNIVERSITY 



Paul Cox hatte keine Ahnung, daß der 
Regenwald bei dem Dorf, in dem er mit seiner 
Familie in Falealupo in Westsamoa lebte, kurz 
vor der Zerstörung stand, bis er 1987 eines Morgens das 
Dröhnen der Bulldozer hörte. 

Die Dorfbewohner hatten widerstrebend 
über 1 2000 Hektar Waldgebiet verkauft, um 
das Geld für eine neue Schule aufbringen zu 
können. Der Bau der Schule wurde vom 
samoanischen Staat verlangt, aber die 
Finanzierung blieb dem Dorf überlassen. 
„Die Dorfbewohner wollten die Holzfäller 
nicht in den Wald lassen", erklärt Bruder 
Cox, der von der Brigham Young University 
Urlaub bekommen hat, um gleichzeitig als 
Direktor des Staatlichen Tropischen 
Botanischen Gartens in Hawaii und als 
Professor für Umweltwissenschaft in Uppsala, 
Schweden, tätig zu sein. „Sie hatten die 
Holzfäller ja schon seit 10 Jahren zurückge- 
halten. Aber sie wußten nicht, woher sie sonst 
das Geld für die Schule bekommen sollten. Sie 
hatten das Gefühl, sie müßten sich zwischen 
ihren Kindern und ihrem Wald entscheiden. Es war eine 
entsetzliche Entscheidung für sie." 1 

Viele Menschen würden sich in einer solchen Situation 
machtlos fühlen, aber in jenem schwierigen Augenblick 
traf Bruder Cox eine Entscheidung. „Ich bot an, das Geld 
für den Bau der Schule zusammen zu bekommen, wenn 
die Dorfbewohner den Wald schützten. . . . Ich hatte 

DER 






Paul Cox hat den 
Bewohnern von Falealupo 
In Samoa geholfen, eine 
Schule für Ihre Kinder 
(unten) zu finanzieren, 
ohne daß sie ihren kost- 
baren Regenwald 
(rechts) an Holzfäller 
verkaufen mußten. 




STERN 

32 








Bruder Cox, ein 
Ethnobotaniker, 
eammelt Proben von 
Pflanzen und Bäumen, 
um eie zu mediziniachen 
Zwecken zu testen. 




keine Ahnung, 
wie wir an das 
Geld kommen 
sollten." 

Aber zunächst erwies 
es sich als äußerst schwierig, die 
Dorfbewohner dazu zu bewegen, sein 
Angebot anzunehmen. Viele der 
Dorfhäuptlinge betrachteten Bruder Cox 
mit Argwohn, aber der Oberhäuptling, 
Fuiono Senio, vertraute ihm und brachte 
die übrigen Häuptlinge schließlich dazu, 
die von Bruder Cox angebotene Hilfe 
anzunehmen. 

Die Holzfäller hatten bereits 
begonnen, den Wald zu roden, als die 
Häuptlinge zustimmten. Oberhäuptling 
mehrere Kilometer die Straße hinunter 
Machete in der Hand - und vertrieb die Holzfäller. 

Am nächsten Tag flog Bruder Cox, der sich inzwi- 
schen mit seiner Frau abgesprochen hatte und ihrer 
Unterstützung sicher sein konnte, nach Apia, der 
Hauptstadt von Samoa und unterschrieb eine Hypothek 
über den Betrag, der für den Bau der Schule benötigt 
wurde. Über das, was dann folgte, erzählt er: „Ich kam 
mit der guten und mit der schlechten Nachricht zu 
meiner Frau zurück. Die gute Nachricht besagte, daß wir 
mitgeholfen hatten, 12000 Hektar Regenwald zu retten; 
die schlechte Nachricht besagte, daß wir unser Haus und 
unser Auto verkaufen mußten und dann vielleicht 
immer noch nicht genug Geld hatten. 

„Ich glaube, in einem solchen Augenblick weiß man, 
daß man in einer funktionierenden Ehe lebt, denn 
Barbara nahm meine Hand und sagte: ,Paul, wie oft 



Senio 
- mit 



lief 
der 



werden wir noch die 

Möglichkeit haben, etwas 

so Wundervolles zu tun? 

Das ist doch großartig!'" 

Bruder und Schwester 

Cox begannen, sich 

darauf vorzubereiten, ihr 

Haus in Utah zu 

verkaufen, aber bald 

hörten Studenten der Brigham Young 

University, Verwandte und andere 

Menschen in Utah von der Sache und 

brachten soviel Geld auf, daß die Familie 

Cox ihr Haus und ihr Auto dann doch 

nicht verkaufen mußte. 

Bruder Cox stellte einen Vertrag mit 

den Menschen in Falealupo auf, der den 

Wald 50 Jahre lang schützt. Die 

Dorfbewohner können den Wald noch 

immer so nutzen wie seit jeher: um Essen 

und Heilpflanzen zu sammeln oder um 

Baumaterial für Häuser und Kanus zu 

beschaffen. Holzfäller oder andere 

kommerzielle Nutzer können dem Wald 

allerdings keinen Schaden mehr zufügen. 



DIE ERDE BEWAHREN 

Bruder Cox setzte sich aber nicht zur Ruhe, 
nachdem er den Regenwald von Falealupo gerettet 
hatte. 1997 wurden er und Häuptling Senio für ihre 
Arbeit in Falealupo mit dem Goldman-Umweltpreis 
geehrt, der auch als Nobelpreis für den Umweltschutz 
bezeichnet wird. Bruder Cox verwendete seinen Anteil 
an dem Preisgeld dafür, einen Fonds einzurichten, der 
den Regenwald von Falealupo auf Dauer schützen wird, 
auch nachdem der ursprüngliche Schutzvertrag über 50 
Jahre abgelaufen ist. 

1997 hatte er außerdem die Seacology Foundation 
gegründet. Sie soll mithelfen, „die Welt zu retten - ein 
Dorf nach dem anderen", indem sie den übrigen Dörfern 
auf den Inseln im Pazifik hilft, Schulen, Wassersysteme, 
Gesundheitseinrichtungen und andere Notwendigkeiten 
einzurichten, ohne daß sie ihren Wald verkaufen müssen. 2 
„Es sind kleine Projekte, die wir in kleinen Dörfern 
durchführen", sagt Bruder Cox. „Aber den Menschen, 
die dort leben, bedeuten sie sehr viel. Diese Projekte 
verändern nicht die ganze Welt, aber sie helfen mit, das 



DER STERN 



34 



Leben von ein paar Menschen in mehreren Dörfern zu 
ändern, und das ist meine Zeit wert. 

Ich hoffe, wenn ich diese Welt verlasse, kann ich sie 
ein kleines bißchen besser zurücklassen, als sie es bei 
meiner Ankunft war. Sicher ist der Wald von Falealupo 
nur ein kleiner Ort. Das Land Samoa ist ein kleines 
Land, aber wenigstens habe ich dort etwas bewirkt. Und 
ich glaube, das gilt für jeden von uns. Wir können alle 
auf unsere Weise etwas bewirken." 

EINE FAMILIENTRADITION BEWAHREN 

Bei seinem Bemühen darum, die Umwelt zu 
bewahren, bewahrt Bruder Cox auch eine 
Familientradition. Seine Eltern haben ihn gelehrt, den 
Herrn und seine Schöpfung zu lieben. Pauls Vater war 
Parkaufseher, und seine Mutter war Biologin mit dem 
Spezialgebiet Wildnis und Fischereiwirtschaft. Beide 
waren aktive Mitglieder der Kirche. „Seit ich ein kleiner 
Junge war, habe ich für die Pflanzen und Tiere gebetet, 
die der himmlische Vater erschaffen hat", sagt Paul. 

Heute bemüht Bruder Cox sich, auch seine Kinder diese 
Liebe zum Evangelium, Liebe zur Erde und Liebe zu allen 
Menschen zu lehren, die seine Eltern ihn gelehrt haben. 

„Unsere Kinder beten für die Wälder und die Tiere", 
sagt er. „Es ist eine Art Familienmission - alles zu tun, 
was wir können, um den Planeten schützen zu helfen. 
Alle unsere Kinder lieben die Natur und wissen kultu- 
relle Unterschiede sehr zu schätzen. Sie lernen gern, wie 
die Menschen in verschiedenen Teilen der Erde leben, 
und vor allem sind sie gern mit den Mitgliedern der 
Kirche in verschiedenen Teilen der Erde zusammen." 

Paul, seine Frau und ihre fünf Kinder sind schon 
zusammen in viele verschiedene Länder der Erde gezogen. 
Er hat in Samoa, Australien und Neuseeland gearbeitet 
und ist jetzt in Hawaii und Schweden tätig. In Schweden 
nimmt er zwei Jahre lang einen Lehrauftrag an der 
Universität Uppsala wahr. Dort ist er der König-Carl- 
Gustav-XVI-Professor für Umweltwissenschaft. 



„Ich hatte bei einem festlichen Essen, das der König 
und die Königin gaben, eine Rede gehalten", erzählt 
Bruder Cox. Er saß neben der Königin, und jemand stand 
auf und brachte ihr zu Ehren einen Trinkspruch aus. „Es 
waren ungefähr 600 Menschen anwesend. Ich sah 
überall nur erhobene Weingläser. Ich wußte nicht, was 
ich tun sollte, deshalb erhob ich mein Wasserglas. Es ging 
ein Raunen durch den Saal - die Leute staunten darüber, 
daß ich so etwas tat. 

Nach dem Trinkspruch setzte ich mich wieder; die 
Königin lehnte sich zu mir herüber und flüsterte mir ins 
Ohr: ,Sie sind sehr weise.' Das war vor acht Jahren, und 
jetzt haben sie mich wieder eingeladen. Ich glaube, die 
Menschen achten einen, wenn man dem, woran man 
glaubt, treu ist." 

Bruder Cox verbringt zwar viel Zeit damit, seine 
Wissenschaft zu studieren, aber er vernachlässigt das, was 
ihm noch wichtiger ist als alles andere Wissen, nämlich 
geistiges Wissen, niemals. Er glaubt daran, daß 
Gelehrsamkeit und das Evangelium Hand in Hand gehen 
können. „Es gibt viele Menschen, die meinen, daß 
zwischen Glauben und Verstand eine unüberbrückbare 
Kluft liegt", sagt er. „Manche sagen, wenn man zuviel 
lerne, verliere man sein Zeugnis. Andere sagen, wenn 
man zuviel bete, verliere man den Verstand." 3 Professor 
Cox glaubt allerdings, daß man sowohl ein gut 
entwickeltes Zeugnis als auch einen gut entwickelten 



Bruder Cox ist mit 
vielen der öamoaner, 
mit denen er eeit 
Jahren zusammenar- 
beitet, enq befreundet. 



DEN GLAUBEN BEWAHREN 

Die Einladung, in Uppsala zu lehren, war 
eine große akademische Ehre, aber auch 
eine persönliche Ehrung. Bei einem 
früheren Besuch in Schweden war 
Pauls Verpflichtung gegenüber seinen 
Grundsätzen auf die Probe gestellt 
worden. 








Verstand haben kann. Sein 
Leben ist ein Beweis dafür, daß 
diese Worte Nephis wahr sind: 
„Doch, es ist gut, gelehrt zu 
sein, wenn man auf Gottes 
Ratschläge hört." (2 Nephi 
9:29.) 



In setner Beschäftigung 
mit der traditionellen 
Heilkunde ist druder Cox 
darum bemüht, das 
Vermächtnis der samoani- 
schen Führer zu bewahren, 
ehe ihr Wissen verloren ist. 



EINE KULTUR BEWAHREN 

Diese ausgeglichene Einstellung zum Lernen hat viel 
dazu beigetragen, daß Bruder Cox in Samoa so erfolg- 
reich ist. „Viele Menschen kommen nach Samoa und 
erwarten, daß sich etwas ändert", sagt Dr. Namulauulu 
Tavana, der Präsident des Pfahls Pesega Samoa und des 
LDS Church College of Western Samoa. „Aber Paul Cox 
ist anders. Er kommt und lebt bei den Menschen; er 
schläft wie ein Samoaner auf dem Fußboden; er ißt und 
redet wie ein Samoaner." 

Bruder Cox hat diese Kultur wertschätzen gelernt, als 
er in Samoa auf Mission war - ab 1973. Aber es war nicht 
immer einfach, erzählt Daniel Betham, der Erste 
Ratgeber in der Präsidentschaft des Apia-Samoa- 
Tempels. „Seine Mutter hatte ihm gesagt, er solle immer 
alles essen, was die Samoaner ihm vorsetzten, um ihnen 
seine Achtung zu erweisen. Das erste Dorf, in das er 
kam, war in Savai'i. Er bekam eine Brotfrucht, eine 
ganze gekochte Brotfrucht, zu essen. Also aß er alles 
darin, auch die Samen. 

Er wußte nicht, daß die Samoaner das Innere der 
Brotfrucht nicht essen - sie werfen es weg. Sie nennen es 



Furie. Aber er aß alles. Während er aß, 
lachten die Kinder im Dorf, und als er an 
dem Tag nach draußen kam, um zu missio' 
nieren, nannten sie ihn den ,Pcdangi (weißer Mann) , 
der das Fune ißt'." Aber die Menschen waren davon 
beeindruckt, daß er bereit war, sich ihrer Kultur anzu- 
passen. „Von da an war er bei den Menschen hier sehr 
geliebt", sagt Bruder Betham. 

Während seiner Mission übte ein Häuptling, 
der außerdem Zweigpräsident war, jeden 
Abend mit dem jungen Eider Cox eine 
scheinbar sinnlose Aneinanderreihung von 
Silben. Im Laufe der Zeit wurde Paul klar, 
daß der Häuptling ihm die sehr formelle 
Häuptlingssprache beibrachte. 4 Heute hat 
seine Fähigkeit, sich mit den samoanischen 
Führern in der formellen Häuptlingssprache 
zu unterhalten, ihm schon viele Türen 
geöffnet. 

Präsident Tavana sagt, Bruder Cox werde 
von den Samoanern geachtet, weil er sie 
achtet. „Er möchte unsere Kultur und 
Umwelt bewahren und den Menschen helfen, 
das, was wir haben, wertzuschätzen - er 
meint, wir hätten eine reiche Kultur und Umwelt und 
Sprache. Das ist so wichtig an ihm. Er bemüht sich um 
die Menschen, damit sie ihre Identität wertschätzen 
lernen und auch sich selbst wertschätzen, und sagt 
ihnen: ,Ihr seid großartig!' Deshalb ist er so erfolgreich. 
Ich liebe diesen Mann." 

Nach seiner heroischen Rettungsaktion für ihren 
Wald ehrten die Menschen in Falealupo Bruder Cox, 
indem sie ihn in einer traditionellen Zeremonie zu einem 
samoanischen Oberhäuptling machten. Er erhielt den 
Namen „Häuptling Nafanua", einen der höchsten Titel 
in Samoa. Nafanua ist eine Göttin aus den alten samoa- 
nischen Legenden, die den Wald liebte, den 
Dorfbewohnern half, ihre Schlachten zu schlagen, und 
sie aus der Unterdrückung rettete. Der Titel ist wohl 
angemessen. 

HEILKUNDLICHES WISSEN BEWAHREN 

Das große Interesse, das Bruder Cox am kulturellen 
Vermächtnis Samoas hat, spielt bei seiner ethnobotani- 
schen Forschung eine wesentliche Rolle. Als seine Mutter 
1984 an Krebs starb, beschloß er, sich damit zu befassen, 
wie Pflanzen zur Heilung von Krankheiten verwendet 



DER STERN 
36 



werden können. Später in dem Jahr zog er nach 
Westsamoa, um die traditionelle Medizin der samoani- 
schen Heiler zu studieren. Bruder Cox glaubte daran, daß 
er, wenn er den Heilern zuhörte, die Pflanzen verwenden, 
um alle möglichen Krankheiten zu heilen, zu Pflanzen 
von medizinischem Wert geführt würde. Er wollte das 
Wissen der Heiler bewahren, ehe der Beruf ausstarb und 
die Pflanzen im Regenwald alle vernichtet waren. 

Viele der Pflanzenarten, die Bruder Cox identifiziert 
hat, haben sich als heilkräftig erwiesen. Eine ist eine 
Baumrinde, die die samoanischen Heiler seit 
Jahrhunderten verwenden, um Viruserkrankungen zu 
behandeln. Daraus haben Forscher das Prostratin 
gewonnen - und das Staatliche Krebsinstitut in den USA 
hat herausgefunden, daß es das Wachstum des HIV-Virus 
in gesunden Zellen verlangsamt. Der Baum, aus dem das 
Prostratin gewonnen wurde, wächst nur in einer entle- 
genen Gegend Samoas - einer Gegend, die fast gerodet 
worden wäre. 

Wenn das Prostratin vermarktet wird, werden die 
Menschen in Samoa die Hälfte des Gewinns erhalten. 
Diese Vereinbarung, die Rechte und das Eigentum eines 
einheimischen Volks zu schützen, ist die erste ihrer Art. 

DIE ACHTUNG VOR DER SCHÖPFUNG BEWAHREN 

Bruder Cox hat eine tiefergehende Motivation für die 
Rettung der Wälder als nur die Suche nach neuen 
Heilmitteln. Er ist der Meinung, daß wir, wenn wir für die 
Erde sorgen, dem Gott Achtung 
erweisen, „der die Himmel und die 
Erde und alles, was darinnen ist, 
erschaffen hat" (Mormon 9:11). 

Er erläutert: „Ich glaube, daß wir 
in einem wunderschönen Gemälde 
leben, einem Meisterwerk, und 
wenn wir den Künstler lieben, 
können wir das Gemälde ja nicht 
zerschneiden." 

Paul sagt, daß die Menschen in 
vielen Kulturen daran glauben, daß 
die Welt heilig ist. „Wenn sie durch 
den Wald gehen und sehen, wie das Licht durch die 
Baumwipfel scheint, sehen sie das Angesicht Gottes." 
Er glaubt, wenn man in allen Kulturkreisen wieder zu 
dieser Achtung gelangt, werde das mehr dazu 
beitragen, die Welt zu schützen, als irgend etwas 
anderes. 



„Wenn wir den Planeten, die Schöpfung, achten, wenn 
wir allen Geschöpfen des himmlischen Vaters demütig 
begegnen, kann wirklich jeder von uns irgendwie etwas 
bewirken. Das kann etwas so Einfaches sein wie das 
Zudrehen eines offenen Wasserhahns oder das Aufräumen 
bei uns in der Wohnung oder auf dem Grundstück, so daß 
es angenehm und schön aussieht, oder der behutsame 
Umgang mit der Energie, damit wir keine Ressourcen 
verschwenden. Es kann bedeuten, daß wir Haustiere 
freundlich und teilnahmsvoll behandeln und alles tun, was 
wir können, um Müll aufzuheben und unsere Umwelt 
sauber zu halten. Ich glaube, es geht nicht um das, was wir 
tun, sondern darum, daß wir überhaupt etwas tun und daß 
wir es mit einem inneren Lobpreis tun." D 

FUSSNOTEN 

1. Mehrere Zitate in diesem Artikel stammen aus Interviews, 
die Julie Walker von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der 
Brigham Young University mit Paul Cox geführt hat. Sie sind mit 
ihrer Genehmigung abgedruckt. 

2.Zitiert in Sharon M. Haddock, „Saving rain forests is 
professor,s forte", Deseret News, H.April 1997. 

3. Zitiert in Greg Hill, „International acclaim doesn't skew 
priorities in BYU scientist,s life", Church Neu/s, 
20. Mai 1995, 6. 

4.Erzählt von Sheridan R. 
Sheffield, „Botanist's studies 
motivated by desire to help sick, 
afflicted", Church News, 5. 
September 1992, 7. 



Mit der Hilfe von 
Häuptling Fuiono Senio 
(rechte) gelang ee Druder 
Cox, die Häuptlinge von 
Falealupo dazu zu 
bewegen, ihm bei eeinen 
Anstrengungen, ihren 
Regenwald zu retten, zu 
unterstützen. 





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ICH HABE EINE FRAGE 



WIE KANN ICH DEN NEGATIVEN EINFLÜSSEN 
IM LEBEN ENTGEGENWIRKEN? 



In unserer Welt, wo es so viele Probleme gibt, kann man leicht eine 
negative Einstellung zum Leben entwickeln. Wie kann ich den negativen 
Einflüssen, die mich umgeben, entgegenwirken? 

Die Antworten sollen helfen und einen tieferen Einblick vermitteln, sind aber nicht als Darlegung 
der Lehre der Kirche gedacht. 



UNSERE ANTWORT: 

Es kann deprimierend sein, wenn 
man von all dem Schlimmen hört, 
das in der Welt passiert. Wir sind in 
der Schule, bei der Arbeit und 
manchmal sogar zu Hause von allen 
möglichen negativen Einflüssen 
umgeben. Aber wir müssen uns von 
solchen Einflüssen nicht überwäl- 
tigen lassen. Im Zweiten Weltkrieg 
gab es ein sehr beliebtes Lied, das 
den Menschen riet, sich mehr auf 
das Positive und weniger auf das 
Negative zu konzentrieren. Wir 
können daran arbeiten, indem wir 
nach dem Evangelium leben und 
alles tun, was der Herr von uns 
erwartet. 

Natürlich ist das Leben nach dem 
Evangelium keine Garantie dafür, daß 
unser Leben frei von Problemen ist. 
Das haben wir im vorirdischen Dasein 
akzeptiert. In der Ratsversammlung 
im Himmel haben wir uns bereit 
erklärt, zur Erde zu kommen, um 
geprüft zu werden. Wir wußten, daß es 
„in allem einen Gegensatz" geben 
würde (siehe 2 Nephi 2:11). Aber wir 
wußten auch, daß der himmlische 
Vater es uns möglich machen würde, 
diese Gegensätze zu überwinden, 
nämlich durch seinen einziggezeugten 



Sohn, Jesus Christus (siehe Johannes 
14:6). 

Es gibt sogar mehrere 
Möglichkeiten, wie der Erretter uns 
hilft, die negativen Einflüsse der 
Sterblichkeit zu überwinden. An 
erster Stelle steht, daß er für unsere 
Sünden gesühnt hat, damit wir 
nicht dafür leiden müssen - wenn 
wir umkehren (siehe LuB 19:16). 
Da er für unsere Sünden gesühnt 
hat, gebietet er uns: „Lerne von mir, 
und höre meinen Worten zu; 
wandle in der Sanftmut meines 
Geistes, dann wirst du Frieden 
haben in mir." (LuB 19:23.) 

Zweitens hat Jesus uns während 
seines irdischen Wirkens ein Beispiel 
gegeben. „Er litt Versuchungen, 
schenkte ihnen aber keine 
Beachtung." (LuB 20:22.) 

Drittens kann der Erretter, da er 
Kummer und Schmerz, Krankheit 
und Versuchung völlig ausgesetzt 
war, uns helfen, mit solchen 
Prüfungen fertig zu werden. „Er 
wird hingehen und Schmerzen und 
Bedrängnisse und Versuchungen 
jeder Art leiden", prophezeite Alma 
und fügte hinzu, der Erretter 
„werde die Schmerzen und 



Krankheiten seines Volkes auf sich 
nehmen. . . . 

Und er wird [unsere] Schwächen 
auf sich nehmen, auf daß sein 
Inneres von Barmherzigkeit erfüllt 
sei gemäß dem Fleische, damit er 
gemäß dem Fleische wisse, wie er 
seinem Volk beistehen könne 
gemäß dessen Schwächen." (Alma 
7:11,12.) 

Manchmal vergessen wir, daß der 
Herr nicht nur für unsere Sünden 
gesühnt hat, sondern auch „die 
Schmerzen und die Krankheiten" 
der Menschen erduldet hat. Er weiß 
aus eigener Erfahrung, wie er uns 
segnen kann, egal wie unsere 
Lebensumstände aussehen mögen. 

Wenn wir daran glauben, daß der 
Erretter die Macht hat, uns zu 
segnen und uns zu helfen, haben wir 
auch den Glauben, den wir brau- 
chen, um an allem Guten festzu- 
halten (siehe Moroni 7:28). Gewiß 
ist der Herr selbst das lebendige 
Symbol alles Guten, und wir sollten 
am meisten an ihm festhalten. Dazu 
müssen wir das Wort nicht nur 
anhören, sondern auch danach 
handeln (siehe Jakobus 1:22). 

Einer unserer Leser hat vorge- 
schlagen, daß wir uns intensiv mit 
dem Wort des Herrn befassen sollen, 
damit Ängste und Zweifel 
verschwinden. Helaman hat seinen 
Söhnen geraten: „Denkt daran, 
denkt daran, daß ihr euren Grund 
auf dem Fels eures Erlösers - und das 
ist Christus, der Sohn Gottes - legen 



NOVEMBER 
39 



19 9 8 



müßt; damit, wenn der Teufel seine 
mächtigen Winde aussenden wird, 
. . . wenn all sein Hagel und sein 
mächtiger Sturm auf euch nieder- 
fallen, dies keine Macht über euch 
haben wird, euch in den Schlund des 
Elends und des endlosen Wehs 
hinabzuziehen." (Helaman 5:12.) 

Denen, die gegen die mächtigen 
Winde des Widersachers ankämpfen, 
gilt die sichere Verheißung des Herrn: 
„Ich bin bei euch alle Tage bis zum 
Ende der Welt." (Matthäus 28:20.) 

ANTWORTEN UNSERER LESER: 

Mein Glaube an den Herrn wird 
jedes Mal, wenn ich mich um seine 
Hilfe bemühe, gefestigt. Ich weiß, daß 
es in meinem Leben negative 
Einflüsse gibt; ohne Gegensätze gibt es 
keinen Fortschritt. Aber der Herr läßt 
nicht zu, daß ich heftiger versucht 
werde, als ich es aushalten kann. Das 
bedeutet, daß er mich kennt. Diese 
Gewißheit festigt meinen Glauben an 
meinen Erretter und stärkt mein 
Zeugnis vom Evangelium. 

Feauini Lomu, 

Gemeinde Ha'ateiho, 

Pfahl Nuku'ahfa 

Tonga South 




Wir sind durch das Verhalten 
anderer, durch Fernsehen und 
Kino und durch Zeitungen und 
andere Veröffentlichungen ständig 
dem Bösen ausgesetzt. Je näher 
das Zweite Kommen des Herrn 
heranrückt, desto mehr werden wir 
als Heilige der Letzten Tage 
versucht. Aber mit der Hilfe des 
Heiligen Geistes können wir der 
Versuchung widerstehen und nach 



den Grundsätzen des Evangeliums 
leben. Wir müssen an die 
Ratschläge der Führer der Kirche 
denken, die uns ja ständig davor 
warnen, die falschen Ideale der 
Welt anzunehmen. Indem wir ihre 
Ratschläge beherzigen, können wir 
mit den Herausforderungen um uns 
herum fertig werden. 

Maria Mounzer, 

Zweig Licata, 

Distrikt Palermo, Italien 




Ich bemühe mich, das Böse zu 
überwinden, indem ich Gutes tue 
und indem ich jeden Tag über das 
Leben meines Erretters nachsinne. 
Er möchte, daß ich zu ihm zurück- 
kehre; das ist der große Segen des 
Erlösungsplans. Wenn ich meinen 
Erretter liebe, kann ich nicht 
zulassen, daß ich von Versuchung 
überwältigt werde oder etwas 
Falsches tue, das ihn verletzen würde. 
■j Joan T. Talia'uli, 

Gemeinde Mu'a 2, 

Pfahl Nuku'alofa 

Tonga Mu'a 



Wir dürfen nicht überrascht sein, 
wenn Schwierigkeiten uns bedrücken 
oder auch wenn jemand uns beleidigt 
oder uns schlecht behandelt. Der 
Erretter mußte all dies durchmachen 
und hat es überwunden. Deshalb weiß 
er auch, wie er uns helfen kann. Wenn 
wir ihm unser Herz öffnen, erfüllt er 
uns mit seiner unendlichen Liebe. Er 
tröstet uns und macht uns stark. 

Wir dürfen dies nicht vergessen: 
„Menschen sind, damit sie Freude 




haben können." (2 Nephi 2:25.) 
Jeder von uns hat für den Herrn 
großen Wert. 

Elisabetta Marangon, 
Zweig Treviso, 
Pfahl Venedig, Italien 




Ich bin an der Universität von 
Freunden umgeben, die keine 
Mitglieder der Kirche sind. Meine 
Grundsätze und Wertvorstellungen 
stehen ständig auf dem Prüfstand. 
Aber daß ich nach den Grundsätzen 
des Evangeliums lebe, gibt mir die 
Kraft, den Versuchungen zu wider- 
stehen. Dadurch ist mein Leben 
von Freude erfüllt. Ich werde von 
den anderen geachtet und habe die 
Möglichkeit, ihnen Zeugnis 
geben. 

Yung Gun Li, 
Gemeinde Taichung 3, 
Pfahl Taichung, Taiwan 



zu 




Ich weiß, daß die heiligen 
Schriften und die Ratschläge, die wir 
von den Propheten des Herrn 
erhalten, uns in diesen Letzten Tagen 
helfen können. Wenn wir die 
heiligen Schriften lesen und 
verstehen und solche Ratschläge auf 
unser Leben beziehen, können wir 
einen Glauben an den Herrn 
entwickeln, der den negativen 
Einflüssen um uns herum entgegen- 
wirkt. 

Ohmar T. Moises, 
Gemeinde Binalonan, 
Pfahl Urdaneta, Philippinen 



DER 



STERN 

40 



Um die negativen Einflüsse der 
Welt zu neutralisieren, beginne ich 
den Tag, indem ich in den heiligen 
Schriften lese. Das öffnet mein Herz 
für den positiven Einfluß des Geistes, 
und ich fühle mich inspiriert, wenn 
ich den Herrn im Gebet suche. 
Fasten und Beten öffnen mir den 
Sinn und weiten meinen Blick für 
die Belange der Ewigkeit. 

Carolina A. Nachtigall, 
Gemeinde Itaimbe, 
Pfahl Santa Maria, 
Brasilien 




Als Missionar lerne ich häufig 
Menschen mit ähnlichen Fragen 
kennen. Ihr Glaube wird gefestigt, 
wenn sie erfahren, wer sie sind - 
Kinder des liebenden Gottes. Wenn 
ihnen klar wird, daß das Leben 
einen Sinn hat und daß der Herr 
sie führen möchte, spüren sie das 
Verlangen, der Verheißung des 
Herrn, daß sie in diesem Leben 
Frieden und im Jenseits ewiges 
Leben haben können, würdig zu 
sein. 

Eider Miguel Marcelo 

Benitez, 

Argentinien-Mission Rosario 




Die heiligen Schriften, liebevolle 
und inspirierte Kirchenführer und 
mein Zeugnis vom Sühnopfer des 
Erretters für meine Sünden geben 
mir das Verlangen, die Kraft und 
den Glauben, die ich brauche, um 
pessimistische Einflüsse zu neutrali- 



sieren. Als Vollzeitmissionarin habe 
ich die Aufgabe, inmitten von 
Schwierigkeiten und Gegensätzen 
eine positive Einstellung zu 
entwickeln. Mein Glaube an den 
Herrn und meine Arbeit wirken 
Wunder. 

Schwester Aldenia Emiliano 

Mendes, 

Brasilien-Mission Belo 

Horizonte East 




Die Probleme, die wir haben, 
können wir überwinden, indem wir 
die heiligen Schriften studieren, die 
Ratschläge der Führer der Kirche 
befolgen, sinnvoll fasten, den Herrn 
durch Beten suchen und des 
Heiligen Geistes würdig sind. 

Wir müssen demütige, liebevolle 
und gehorsame Mitglieder der 
Kirche sein. Wir brauchen nicht nur 
den Willen, sein Werk zu tun, 
sondern vor allem das Verlangen. 
Joao Batista de Oliveira, 
Zweig Paranoa, 
Pfahl Brasilia, Brasilien 




Wenn ich negative Einflüsse sehe, 
denke ich daran, daß der Herr für 
mich sein Leben hingegeben hat. Im 
Vergleich zu dem, was er erduldet hat, 
sind meine Prüfungen nichts. Auch 
wenn ich mein Leben lang Prüfungen 
durchmachen muß, wird es das wert 
sein, wenn ich zu ihm zurückkehren 
und bei ihm leben kann. 
Clara Lourdes Diaz Maguina, 
Gemeinde Elio, 
Pfahl Lima Peru Magdalena 




Ich glaube, die beste Möglichkeit, 
den negativen Einflüssen der Welt 
entgegenzuwirken, besteht darin, 
immer zum Herrn um Hilfe zu beten, 
in der Kirche und im Seminar und 
Institut aktiv zu sein und die heiligen 
Schriften zu lesen. Wenn wir das 
tun, entwickeln wir Glauben an den 
Herrn, und wenn wir Glauben an 
ihn entwickeln, wird uns Hoffnung 
auf den Erretter geschenkt, eine 
große Gabe, die jedem negativen 
Einfluß entgegenwirkt. 

Nelma A. Andales, 

Zweig Allen 1, 

Distrikt Catarman, 

Philippinen 






Ihr könnt dazu beitragen, daß der 
Abschnitt „ICH HABE EINE 
FRAGE" anderen hilft, indem ihr die 
untenstehende Frage beantwortet. 
Bitte schickt eure Antwort bis zum 1. 
Januar 1999 an folgende Adresse: 
QVESTIONS AND ANSWERS; 
International Magazines, 50 East 
North Temple Street, Salt Lake City, 
Utah 84150-3223, USA. Eure 
Antwort kann mit der Maschine oder 
leserlich mit der Hand geschrieben 
sein, auch in eurer Muttersprache. 
Gebt bitte euren Namen und euer 
Alter, euren Wohnort, eure Gemeinde 
und euren Pfahl an. Schickt möglichst 
auch ein Foto von euch mit; es wird 
allerdings nicht zurückgeschickt. Es 
wird eine repräsentative Auswahl an 
Antworten veröffentlicht. 

Ich kenne die Schritte der Umkehr, 
aber woran erkenne ich, ob mir 
vergeben worden ist? □ 



NOVEMBER 
41 



19 9 8 



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Linda Van Orden 

ABDRUCK DER FOTOS MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DES FUSSBALLVEREINS MANCHESTER UNITED 
UND VON MATHEW VAN ORDEN; DER HERR JESUS CHRISTUS, GEMÄLDE VON DEL PARSON 

Stellt euch eine Menge von 55500 kreischenden Fans 
vor, die alle euren Namen rufen. Ein Adrenalinstoß geht 
durch euren Körper - ihr weicht dem Verteidiger aus und 
schießt den Ball ins Netz. „TOR!" schreit die Menge 
einstimmig. Ihr wendet euch den Menschen zu und reckt 
triumphierend die Arme in die Luft. 

David Brown, 18, von der Gemeinde Leigh im Pfahl 
Liverpool in England, braucht sich das nicht vorzu- 
stellen; er erlebt es. 
Mit 17 Jahren wurde David als Englands talentiertester junger 
Fußballspieler gefeiert, und es wurde häufig über ihn berichtet. Zur Zeit ist er 
Mittelstürmer bei Manchester United, der besten Jugendmannschaft in 
Großbritannien. Als Reservespieler für die Mannschaft gehört David sogar 
einer weltberühmten Fußballmannschaft an. 

Die Begeisterung darüber, täglich mit der Mannschaft zu trainieren, ist 
David anzusehen, während er erzählt, wie sein Traum, den viele träumen, 
wahr geworden ist. „Das Training ist sehr anstrengend, damit wir wirklich in 
Topform sind. Ich trainiere vier Tage in der Woche mit dem Verein und 
besuche zwischendurch das College. Manchmal bin ich völlig erschöpft, aber 
es ist einfach toll. 

Zum Training gehört es auch, daß ich der ersten Mannschaft die 
Fußballschuhe putze", sagt David lächelnd. „Außerdem helfen wir mit, die 
Trainingsfläche sauber zu halten, und ich pumpe die Bälle genau richtig auf. 
Das ist für Lehrlinge so üblich - es ist aber auch etwas Besonderes, wenn man 
das machen darf." Wenn David den Fußballstars die Schuhe putzt, erinnert 
ihn das an seine Ziele. Er hofft, daß sein Talent und harte Arbeit ihm den 



NOVEMBER 
43 



19 9 8 



Erfolg einbringen werden, den Spieler wie David Becham 
und Ryan Griggs erreicht haben. 

Als einer der besten Mittelstürmer seines Alters soll 
dieser junge Mann die Fähigkeit besitzen, aus jeder 
Position heraus ein Tor zu schießen. Überraschender- 
weise hat Fußball ihn früher überhaupt nicht interessiert. 
„Meine älteren Brüder mußten mich immer lange 
bedrängen, damit ich mit ihnen spielte und sie genug 
Mitspieler hatten", sagt er. 

Aber als David 11 war, war es schon offensichtlich, 
daß er ein begabter Fußballer war. Er wurde als bester 
Spieler seiner Schule dafür ausgewählt, für seine 
Heimatstadt Bolton zu spielen. Als einer der besten 
Spieler für Bolton wurde er von Beobachtern dafür 
ausgewählt, für Oldham Athletic zu spielen. Als sein 
Vier-Jahres-Vertrag mit Oldham abgelaufen war, konnte 
Manchester United es gar nicht abwarten, ihn in den 
Verein aufzunehmen. 

Als einziger Heiliger der Letzten Tage in seiner 
Mannschaft hat er die Möglichkeit, ein Vorbild zu 
sein. „Die übrigen Spieler respektieren meine 
Glaubensansichten. Sie machen sich nicht über mich 
lustig, wenn ich nicht mit ihnen in den Pub gehe. Sie 
wissen, daß ich nicht trinke, und sie respektieren diese 
Entscheidung." 

Damit sein Zeugnis stark bleibt, besucht David aktiv 
die Sonntagsversammlungen und die Aktivitäten in der 
Woche. „Ich bin vor kurzem als Pfahlmissionar eingesetzt 
worden, und ich diene als Heimlehrer", sagt er. Seine 
Arbeit als Pfahlmissionar dürfte sich auf die Menschen in 
Manchester positiv auswirken - viele sind Anhänger von 
Manchester United, und viele erkennen David. 

„Die Kirche spielt in meinem Leben eine wichtige 
Rolle", sagt David. „Die Teilnahme am Seminar hat 
meinem Zeugnis geholfen, zu wachsen." Er hat vier Jahre 
lang früh morgens den Seminarunterricht besucht und 
ist dafür um sechs Uhr aufgestanden. Seine Mutter, die 
seit 13 Jahren Seminarlehrerin ist, hat ihn zusammen mit 
seinen älteren Brüdern unterrichtet. 

„Meine Brüder sind meine Vorbilder, sie bauen mich 
auf", sagt David. Die Brüder Brown ringen gern mitein- 
ander und treiben auch mal ihren Scherz miteinander, 
wie es bei Brüdern so üblich ist, aber es ist offensicht- 
lich, daß sie ein eingespieltes Team sind. Sie achten 
aufeinander und wünschen sich gegenseitigen Erfolg. 
Einer nach dem anderen sind seine drei älteren Brüder 



auf Mission gegangen: Bryce nach Oklahoma in den 
USA, Gary nach London und Paul nach Leeds in 
England. Immer wenn einer der Brüder seinen 
Seminarabschluß gemacht hatte und auf Mission ging, 
wurde die Klasse kleiner. In seinem letzten Seminarjahr 
war David der einzige Schüler in der Klasse seiner 
Mutter. Aber das machte ihm nichts aus. Er festigte 
weiterhin sein Zeugnis, indem er die heiligen Schriften 
studierte. 

Als seine Lehrerin und seine Mutter hat Schwester 
Brown miterlebt, wie sein Zeugnis gewachsen ist. „Er hat 
den Mut, nach dem Evangelium zu leben, egal, was die 
anderen sagen", meint sie. 

Eine Lieblingsschriftstelle, die David auch in 
Schwierigkeiten hilft, stark zu bleiben, ist Lehre und 
Bündnisse 82:10: „Ich, der Herr, bin verpflichtet, wenn 
ihr tut, was ich sage; tut ihr aber nicht, was ich sage, so 
habt ihr keine Verheißung." David sagt: „Ich weiß, wenn 
ich nach diesem Grundsatz lebe, kommt auch alles 
andere in Ordnung." 

Ein Gebiet, in dem er den Herrn an die erste Stelle 
setzt, sind die sonntäglichen Spiele. Es finden zwar häufig 
am Sonntag Fußballspiele statt, aber David hat schon mit 
11 Jahren beschlossen, sonntags nie zu spielen. Sein 
Trainer und sein Manager respektieren diese 
Entscheidung. Sie treffen irgendwelche Abmachungen 
für ihn. David berichtet, wie der Herr ihn schon für 
seinen Gehorsam gesegnet hat: „In England werden die 
Spiele häufig wegen schlechten Wetters verschoben. Am 
Ende der Saison wurden dann alle Sonntagsspiele, die 
verschoben worden waren, mitten in der Woche nachge- 
holt. Ich konnte bei allen sechs Spielen mitmachen und 
habe 32 Tore geschossen." Das brachte David den Titel 
Torschützenkönig der Saison ein, und er wird als der 
Junge bezeichnet, der nie am Sonntag spielt. 

David verbringt seine wenige Freizeit gern zu Hause 
bei seinen Eltern und Brüdern. Er sagt: „Meine Brüder 
sind meine besten Freunde." Sie sind altersmäßig nicht 
weit auseinander: Bryce ist 25, Gary 22, Paul 21, David 
18 und Stephen 15. Da es in ihrer Gemeinde keine 
weiteren Priestertumsträger im Alter von 15 bis 20 gibt, 
spornen sie einander an, im Evangelium aktiv zu 
bleiben. 

Ein Schlüssel für Davids Erfolg ist harte Arbeit. Seine 
Mutter erzählt, wie unabhängig David schon als Junge 
sein wollte. „Er konnte seit jeher hart arbeiten", sagt sie. 



DER STERN 

44 



„Ob es die Hausaufgaben oder die Seminarhefte waren, 
er hat einfach alles erledigt, ohne lange zu nörgeln. 
David hat in unserer Familie den Satz geprägt: ,Ich 
mache das alleine.' Manchmal ziehen wir ihn deswegen 
auf. David kann bei allem, was er tut, hart arbeiten." 

Anderen, die sich in irgendeiner Sache um Erfolg 
bemühen, gibt David den folgenden Rat: „Streng dich 
bei allem, was du tust, an, und setz den Herrn immer an 



die erste Stelle." Seine Entschlossenheit, ein 
Starfußballer zu werden, hat ihn auf den Weg zu innerer 
Größe gebracht. Seine innere Größe entspringt nicht 
bloß seiner sportlichen Begabung. Indem er dem Beispiel 
seiner Brüder, Eltern und Mannschaftskameraden folgt, 
wird er das tun, was er am besten kann - hart arbeiten, 
den Herrn an die erste Stelle setzen und das Ziel nicht 
aus den Augen verlieren. D 



David findet in der Zeit, die er bei seiner 
Familie verbringt, geistige Unterstützung, 

indem er die heiligen Schriften studiert. 

Unten: Er zeigt einige seiner Trophäen. 




N O V E 



AA B E 
45 



19 9 8 



ES KOM 



Eider Joseph B. Wirthlin 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 




Wenn man sich dafür 
entscheidet, jemandem nachzu- 
folgen, entscheidet man sich 
auch für das Ziel, das der 
Betreffende anstrebt. Hier sind 
die drei besten Entscheidungen, 
die ihr treffen könnt. 

Das wiederhergestellte Evan- 
gelium Jesu Christi lehrt 
eindrucksvoll, daß der 
liebende Vater im Himmel uns 
hierher auf die Erde gebracht hat, 
damit wir aus unseren Erfahrungen, 
ob gut oder schlecht, lernen. Unser 
Vater hat uns Entscheidungsfreiheit 
geschenkt. Daß wir uns frei 
entscheiden, also unser Schicksal 
selbst bestimmen können, war so 
wichtig, daß im Himmel ein Krieg 
stattfand, um dieses Recht zu 
wahren. Eure Entscheidung dafür, 
dein Erretter nachzufolgen, hat 
euch davor bewahrt, ausgestoßen zu 



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MT AUF EUCH AN 



werden, und so seid ihr in diese irdi- 
sche Bewährungszeit gelangt. 

Ich möchte drei einfache 
Richtlinien anführen, die zwar einfach 
und vertraut sind, euch aber gute 
Dienste leisten können, so wie euren 
Vorfahren und euren Nachkommen. 

•Folgt dem Messias. 

• Folgt dem Propheten. 

• Folgt dem Geist. 

FOLGT DEM MESSIAS 

Der Erretter fordert alle Kinder 
des Vaters in aller Welt und zu allen 
Zeiten liebevoll auf, zu ihm zu 
kommen. Seine Aufforderung 
„Kommt, folget mir" (Gesangbuch, 
Nr. 63) gilt für alle Menschen. 

In unserer heutigen Welt besteht 
der einzige Schutz gegen die 
„feurigen Pfeile des Widersachers" 
(LuB 3:8) darin, daß man die 
„Rüstung Gottes" anzieht (siehe 
Epheser 6:11). 

Der Satan ist ein meisterhafter 
Betrüger und der Vater aller Lügen. 
Nur indem ihr Glauben an den 
Erretter und sein Sühnopfer übt und 
alle Gebote befolgt, seid ihr sicher 
vor den unablässigen heimtücki- 
schen Anstrengungen des Satans, 
euch sorgfältig seiner Macht unter- 
zuordnen. 

Ihr könnt das Evangelium nicht 
angehen wie ein kaltes Büfett und 
euch hier und da ein bißchen aussu- 
chen. Ihr müßt euch zu dem ganzen 
Festessen hinsetzen und voll und 
ganz nach den liebevollen Geboten 
des Herrn leben. 

Ihr habt die Gebote gelernt. Ihr 
wißt, was ihr tun müßt: beten, die 



heiligen Schriften studieren, fasten, 
den Zehnten und die übrigen 
Spenden zahlen, eure Versammlungen 
besuchen, das Abendmahl nehmen, 
eure Berufungen großmachen, 
anderen dienen, eure Kirchenführer 
unterstützen, heilige Bündnisse 
eingehen und halten, anderen vom 
Evangelium erzählen und ehrlich, 
treu, keusch, gütig und tugendhaft 
sein. 

FOLGT DEM PROPHETEN 

Der Erretter hat erklärt, daß es 
das gleiche ist, ob wir das Wort 
Gottes durch seine Stimme oder 
durch die Stimme seiner Knechte 
vernehmen (siehe LuB 1:38). Wenn 
wir Christus nachfolgen wollen, 
müssen wir auch dem Propheten, 
dem Sprecher des Herrn auf der 
Erde, nachfolgen. 

Während ich Präsident des 
Gebiets Europa war, sind meine Frau 
und ich durch Finnland, Schweden, 
Dänemark und Norwegen gereist, 
um mit den Mitgliedern und den 
Missionaren Versammlungen und 
Konferenzen abzuhalten. Gegen 
Ende unserer Reise kamen wir mit 
Präsident John Langeland von der 
Norwegen-Mission Oslo und seiner 
Frau in der kleinen Stadt Alta in 
Norwegen an. Wir freuten uns, daß 
wir die zusätzliche Anstrengung 
unternommen hatten, die Mitglieder 
in diesem entlegenen Ort zu besu- 
chen. Aber während wir uns mit den 
örtlichen Kirchenführern unter- 
hielten, erfuhren wir, daß es etwas 
weiter nördlich in Hammerfest, einer 
der nördlichsten Städte der Welt, 

NOVEMBER 1998 

47 



auch noch einen kleinen Zweig gab. 

Zu unserer Überraschung 
erfuhren wir, daß mehrere Jahre 
vorher Eider Howard W. Hunter den 
Zweig Hammerfest als erste 
Generalautorität besucht hatte. Die 
Geschichte jenes Besuchs sagt über 
den Mann, den der Herr später als 
seinen Propheten, Seher und 
Offenbarer auswählte, viel aus: 

,„Hammerfest ist auf die übliche 
Weise schwer zu erreichen. Es war 
ursprünglich geplant, daß die 
Besucher mit dem Wasserflugzeug 
reisen sollten. ... Da das Wetter 
umschlug, konnte man nicht fliegen, 
wie es so häufig der Fall ist. Es wurde 
beschlossen, daß sie von Alta, der 
nächstgelegenen Stadt mit einem 
kommerziellen Flughafen, aus mit 
dem Auto fahren sollten. Schnee 
bedeckte die Straßen. Mehrere Male 
mußten Eider Hunter und [Präsident 
Leo M.] Jacobsen unterwegs 
aussteigen und ihr Auto schieben. 
Als es so aussah, als kämen sie nicht 
mehr weiter, kam ein Lastwagen 
vorbei und schleppte das Auto über 
den Gipfel nach Hammerfest.' 

Sie kamen schließlich um halb elf 
am Abend zu der Versammlung an, 
die um sieben Uhr hätte beginnen 
sollen, und stellten fest, daß die 
meisten Mitglieder gewartet hatten." 
(Zitiert in Eleanor Knowles, Howard 
W Hunter [1994], 175f.) 

Die Mitglieder in Hammerfest, 
die sich so sehr darauf gefreut 
hatten, einen Apostel kennenzu- 
lernen und die Stimme dieses beson- 
deren Zeugen zu hören, warteten 
dreieinhalb Stunden auf seine 



Ankunft. Ihr Glaube, ihre Hoffnung 
und ihre Gebete wurden belohnt, als 
er ihnen eindrucksvoll vom Erretter 
Zeugnis gab. 

An dem Tag, als Präsident Hunter 
als der neue Prophet der Kirche 
angekündigt wurde, sagte er: 
„Schenken Sie dem Leben und 
Beispiel unseres Herrn Jesus Christus 
noch größere Aufmerksamkeit, vor 
allem der Liebe und Hoffnung und 
Anteilnahme, die er an den Tag 
gelegt hat" (siehe „Exceeding Great 
and Precious Promises", Ensign, 
November 1994, 7-9). Kurzum, er 
bat uns, in allem Umgang mit 
unseren Mitmenschen christliche 
Eigenschaften zu entwickeln und an 
den Tag zu legen. Heute fordert 
Präsident Gordon B. Hinckley uns 
auf, das gleiche zu tun. 

FOLGT DEM GEIST 

Als ich mit meiner Frau einmal im 
Auftrag der Kirche in Hawaii war, 
besuchten wir die Insel Molokai. Als 
wir nach einem Spaziergang auf 
einem Bergpfad zu unserem Auto 
zurückgingen, begegneten wir einem 
jungen Mann, der auf den 
Aussichtspunkt zuging. Ich sagte ihm 
höflich guten Tag. Seiner Antwort 
hörte ich an, daß er Deutscher war. 

Sein Gesicht deutete auf ein 
ehrliches Herz und darauf hin, daß 
er sehr offen war. Ich sprach seine 
Sprache und kannte seine Kultur ein 
bißchen, da ich eine deutschspra- 
chige Mission erfüllt habe. Der Geist 
gab mir ein, ihm vom Evangelium zu 
erzählen. Allerdings unterbrachen 
andere Menschen um uns herum 
unser kurzes Gespräch, ohne daß ich 



etwas über das wiederhergestellte 
Evangelium Jesu Christi sagen 
konnte. Ich war kein Missionar, wie 
jedes Mitglied der Kirche des 
Erretters es sein sollte. 

Als wir wegfuhren, war ich beun- 
ruhigt, weil ich meine Pflicht, das 
Evangelium zu verkündigen, nicht 
erfüllt hatte. Ich mußte, während wir 
über die Insel fuhren, um die 
wunderschönen Wasserfälle von 
Molokai zu besichtigen, immer daran 
denken. Als wir aus dem Auto 
stiegen, hielt ein anderes Auto 
neben uns an. Der junge Mann, dem 
wir begegnet waren, stieg aus, 
lächelte und gab mir freundlich die 
Hand. Als ich seine Hand ergriff, 
dachte ich: Diesmal werde ich meine 
Pflicht tun. 

Wir stellten uns einander vor, und 
ich erfuhr, daß er ein Student aus 
einer kleinen Stadt südlich von 
Düsseldorf war. Wir sprachen von 
meinen schönen Erinnerungen an 
Deutschland und meiner 

Bewunderung für das deutsche Volk. 
Die Erwähnung meiner Arbeit in 
Europa war eine ideale Gelegenheit, 
etwas über die Grundlagen des 
Evangeliums zu erzählen. Als wir uns 
von ihm verabschiedeten, bat ich 
ihn um seine Adresse und 
Telefonnummer, die er mir bereit- 
willig gab. Ich hatte das Gefühl, daß 
ich wirklich einen neuen Freund 
gefunden hatte. 

Bei meiner Rückkehr nach Salt 
Lake City schrieb ich an die 
Deutschland-Mission Düsseldorf und 
bat Präsident John F. Charles, 
Missionare hinzuschicken, damit sie 
das Gespräch über das Evangelium 



fortsetzten. Ich glaube nicht, daß 
meine Frau und ich diesem jungen 
Mann zufällig zweimal begegnet sind. 

Aber der Herr gibt uns nicht 
immer eine zweite Chance, 
jemandem etwas vom Evangelium zu 
erzählen. Ich hatte beim ersten Mal, 
als die leise, sanfte Stimme 
unmißverständlich zu meinem 
Herzen und Sinn gesprochen hatte, 
nicht auf den Geist gehört. Ich hätte 
vielleicht keine zweite Chance 
bekommen, aber der Herr hat sie mir 
großzügig gewährt. 

Wir müssen handeln, wenn der 
Geist spricht. Als ich das tat, war der 
junge Mann sofort bereit, mir 
zuzuhören. Es war eigentlich nicht 
meine Botschaft. Es war die Botschaft 
Gottes, die mir der Geist des Herrn 
eingegeben hatte. Ich war nur ein 
Werkzeug in den Händen des Herrn. 

Der Geist führt uns immer in die 
richtige Richtung. Er schützt euch 
vor Versuchung, erleuchtet euch den 
Sinn und tröstet euer Herz. Folgt 
dem Geist, damit ihr eure Kraft auf 
das richtet, was am wichtigsten ist. 

Die Wahrheiten des Evangeliums 
ändern sich nicht. Wenn ihr dem 
Messias folgt, wenn ihr seinem 
Propheten folgt, wenn ihr dem Geist 
folgt, werdet ihr euch immer für das 
Richtige entscheiden. Als Ergebnis 
eurer weisen Entscheidungen wird 
euer Zeugnis stärker werden und 
ihr werdet mit Freude, Glück und 
innerem Frieden reich gesegnet 
werden. D 

Nach einer Ansprache auf einer Fireside an der 
Brigham Young University am 4- September 
1994. 



DER STERN 



48 



Wir genießen hier Reckte, 
die niemand sonst auf dem 
Erdboden genießt. . . . Wenn ich 
über dieses Thema nachdenke, 
wünsche ich mir die Stimme von 
sieben Donnern, um die Menschen 
aufzuwecken, i 

— Brigham Young 

(Lehren der Präsidenten der Kirche: 
Brigham Young [1997], 299.) 



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„So wie unser Zeugnis 
täglich neue Nahrung 
braucht, braucht auch 
unsere Ehe Nahrung - 
in Form von liebevollen 
Worten, von rascher 
Vergebungsbereitschaft und 
Rücksichtnahme. . . . Unser 
Ziel ist es, uns unser Leben 
lang immer wieder aufs 
leue ineinander zu 
verlieben. " (Siehe „Eine gute 
Ehe schaffen", Seite 26.) 






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GERMAN 




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